CTOUR vor Ort: „Wir haben den Wassertourismus in Ostdeutschland erfunden“

Kuhnle-Tours ist größter Hausbootanbieter Deutschlands

Der Nordosten Deutschlands ist traumhaft schön. Ausgedehnte Wälder, weite Landschaften, Tausende Seen, kleine Kanäle und nachts als Zugabe bei oft sternenklarem Himmel ein phantastischer Blick ins Weltall. Berliner wissen das alles längst. Aber inzwischen haben auch sehr viele Gäste aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, ebenso Schweizer, Österreicher und Niederländer, diese Erfahrung gemacht. Und sie kommen immer wieder. „Schuld“ daran ist Kuhnle-Tours, das größte Hausbootunternehmen Ostdeutschlands. CTOUR-Kollegen besuchten das Unternehmen in Rechlin an der Müritz.

Dagmar Rockel-Kuhnle weiß als frühere Journalistin ganz genau, wie man Besucher beeindruckt. Am Stammsitz von Kuhnle-Tours im Hafendorf Rechlin an der Müritz wirft sie gern markante Bilder an die Wand: Hafenansichten von 1987 und von 1991. Und dann von heute. Der Kontrast könnte kaum größer sein, denn inzwischen ist ein hochmodernes Hafendorf mit Bootsliegeplätzen, Werft und schicken Ferienhäusern entstanden.

PR-Chefin Dagmar Rockel-Kuhnle machte CTOUR-Mitglieder mit der Geschichte des touristischen Hausboot-Unternehmens bekannt. © FOTAC/W.-G. Kirst

Ihr Ehemann, Harald Kuhnle, hatte das Unternehmen 1981 als „Studenten-Start-up“ gegründet. Als er gleich nach der Wende in den Nordosten Deutschlands reiste, war er überzeugt: „Hier kann man was sehr Schönes draus machen.“ Es gäbe keine Region in Europa mit einer derart weitläufigen, vielseitigen, interessanten, verzweigten Wasserlandschaft – auch nicht in Frankreich, auch nicht in den Masuren.
Aus der Überzeugung heraus handelte er sofort: Einen Tag nach der Wiedervereinigung Deutschlands, am 4. Oktober 1990, meldete Harald Kuhnle beim zuständigen Amt sein Gewerbe an. Seitdem vermietet Kuhnle-Tours Hausboote an der Müritz. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 61 Mitarbeiter, besitzt 13 Charterbasen in vier Ländern (Deutschland, Frankreich, Niederlande, Polen), macht acht Millionen Euro Umsatz jährlich und betreibt 996 Liegeplätze an fünf Standorten.

Lesestunde auf der Brücke des KUHNLE-Hausbootes „SPIEGELKARPFEN“.
Dr. Peer Schmidt-Walther (r.) und Hans-Peter Gaul präsentieren ihr neues Buch „Erlebnisreisen mit dem Hausboot“. © FOTAC/W.-G. Kirst

CTOUR-Mitglied Peer-Schmidt Walther hat in seinem gerade aktuell erschienenen Buch „Erlebnisreisen mit dem Hausboot“ die Branche beleuchtet. Immer mehr Menschen entscheiden sich für diese Urlaubsform, nicht zuletzt auch daran abzulesen, dass das Netz der europäischen Reviere und Marinas ständig erweitert wird, die man ohne Bootsführerschein befahren kann. „Erlebnisreisen mit dem Hausboot“ trägt Hausboot-Geschichten verschiedener Autoren zusammen: individuelle Eindrücke und Erlebnisse ebenso wie Hinweise und Tipps. Ein Kapitäns-Handbuch sozusagen.

Blick in die Kuhnle-Werft. Hier werden hauptsächlich die legendären Hausboote auf Kiel gelegt. Im Vordergrund die
Pontons eines 40-Fuss-Febomobils. Rechts im Bild ein fast fertiggestellter „Kormoran“, die mit Abstand beliebteste Hausbootklasse. © FOTAC/W.-G. Kirst

Natürlich erreichte Kuhnle-Tours durch die Möglichkeit, Hausboote führerscheinfrei zu steuern, einen unglaublichen Schub. Davon profitierte die gesamte Branche. Allein in Mecklenburger- und Brandenburger Gewässern gibt es heute 700 Mietboote, 350 Anlegestellen, 117 Schleusen und bewegliche Brücken. Und dies alles auf 1.700 Kilometer Wasserstraßen.
Aber Kuhnle ruhte sich auf diesem Erfolg nie aus. Inzwischen betreibt das Unternehmen neben der Bootsvermietung auch eine eigene Werft und entwickelt Immobilien. „Bei uns können Sie sich ihr Hausboot individuell anfertigen lassen“, sagt Dagmar Rockel-Kuhnle. „Oder sie kaufen eins von der Stange oder gern auch ein kostengünstiges Gebrauchtboot.“ Damit bedient Kuhnle jeden Geschmack und Wunsch – und die Nachfrage steigt.
„Wir haben den Wassertourismus in Ostdeutschland erfunden“, sagt Dagmar Rockel-Kuhnle verschmitzt. Sie weiß natürlich, dass in der Übertreibung ein Fünkchen Wahrheit liegt.

Firmengründer und Inhaber Harald Kuhnle
in der Marina Rechlin. Im Hintergrund die Bootstypen „Kormoran“ und „vetus“. © FOTAC/W.-G. Kirst

Wer sich heute auf der Website (kuhnle-tours.de) umschaut, kann aus einem breit gefächerten, jeden Geschmack bedienenden Angebot wählen: Hausboote werden für alle Zwecke offeriert:
„Zeit zu Zweit“, „Indian Summer“, „Geführte Angeltour“, „Bett&Boot“, „Sternschnuppenregen“, „Barrierefrei Bootfahren“, „Auto&Boot“ – heißen die Angebote. Jegliche noch so differenzierte Kundennachfrage wird bedient.

Mit dem Hausboot „SPIEGELKARPFEN“ vom Typ Kormoran starteten CTOURisten zum Saisonbeginn auf die Müritz. © FOTAC/W.-G. Kirst

Deshalb besteht die Charterflotte auch aus insgesamt 24 Bootstypen. Vom kleinen Picknickboot für den Nachmittagsausflug bis zum 25-Tonner für die ganz große Fahrt, von der kuscheligen 2-Personen-Jolle bis zum Salonschiff mit 12 Schlafplätzen – insgesamt warten 130 Boote auf ihre Nutzer.
In der Regel bieten die Boote 2-8 Schlafplätze. Und sie sind alle – selbst in der kleinsten Version – sehr geräumig: WC, Dusche, Küche, Aufenthaltsraum sind immer dabei. Dazu gibt es viele gut zugängliche Schränke, fast überall Stehhöhe für Menschen und sogar eine Rückzugsmöglichkeit. Steuern kann der Freizeitkapitän zumeist an Deck oder unter Deck.

Unser Hausboot an der Hafeneinfahrt von Rechlin. © FOTAC/W.-G. Kirst

Die Kosten liegen je nach Bootsgröße und Saisonzeit bei 400 bis 3.000 Euro pro Boot und Woche. Man kann natürlich auch übers Wochenende oder nur für eine Nacht mieten. Es gibt Langzeitrabatt, Pärchenrabatt, Kinderrabatt, Gruppenrabatt, Wiederholerrabatt. Abgerechnet wird nach Betriebsstunden, Wasser und Diesel müssen nicht nachgefüllt werden, das macht der Vermieter.

„Mücken-Pension“ nennen Einheimische diese Ferienbungalows an der Müritz-Elde-Wasserstraße. © FOTAC/W.-G. Kirst
„MS SONNENSCHEIN“ vor dem Ferienpark von Rechlin. Das 50 Personen fassende Fahrgastschiff der Weißen Flotte in Röbel ist mit 90 Jahren der ‚Oldtimer“ auf der Müritz, dem größten Binnensee Deutschlands. © FOTAC/W.-G. Kirst

Und zum Schluss noch etwas für Einsteiger, die sich vielleicht die Frage stellen: Kann ich das überhaupt, ein Boot steuern?
Im Vergleich zum Straßenverkehr ist auf dem Wasser außerhalb der Hochsaison wenig los. Es bewegen sich fast alle im gleichen Tempo. Und nicht selten kommt es vor, dass man auf einem lauschigen Kanal allein mit ein paar Graureihern und Bibern ist. Da man mit maximal 10 km/h unterwegs ist, entschleunigt Bootsfahren ungemein. Und bei Einfahrt in Schleusen oder Häfen bleibt immer genug Zeit, um richtig zu reagieren.
Schließlich: Glücklicherweise wurde das Bootsfahren vor dem Straßenverkehr erfunden. Die Regeln erschließen sich mit gesundem Menschenverstand und ein wenig Logik jedem Neuling sehr rasch, Pkw-Führerscheininhabern sowieso. Wer sich im normalen Straßenverkehr zurechtfindet, schafft das an Bord auch. Zumal alles – wie gesagt – sehr viel langsamer zugeht.

Siehe auch: Video

Weitere Infos:
Kontakt Kuhnle-Tours
Dagmar Rockel-Kuhnle, Presse und Marketing
Tel.: 039823-266 96
E-Mail: presse@kuhnle-tours.de

Buchtipp
Dr. Peer Schmidt-Walther: „Erlebnisreisen mit dem Hausboot“: Format DIN A5, 286 Seiten, 4/4-farbig, 19,90 Euro, ISBN 978-3-95872-032-9; Erscheinungstermin: März 2017,
Druck- u. Verlagshaus Kruse, Stralsund

 

 

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