Warum eine Hurtigrutenreise anders als die typische Kreuzfahrt ist
Die MS Nordkapp von Hurtigruten ist ein klassisches Schiff auf der legendären Postschiffroute von Kirkenes nach Bergen. Was man auf einer Hurtigruten-Reise dennoch sehr schnell lernt: Man lebt nicht nur im Schiff, man lebt mit dem Meer. Die MS Nordkapp ist kein schwimmendes Resort, das jede Bewegung kaschiert. Seegang ist spürbar, manchmal sanft wiegend, manchmal deutlich kräftiger. Und genau das macht den Reiz aus. Man weiß jederzeit, dass man unterwegs ist, entlang einer der wildesten und schönsten Küsten Europas.
Im Herzen dieses Schiffes, auf Deck 5, befindet sich ein Rückzugsort, der uns während unserer Reise immer wieder ein Gefühl von Heimat, Komfort und norwegischer Gelassenheit schenkte: die Arktis Außenkabine Superior. Die Arktis Außenkabine Superior zählen zu den beliebtesten Außenkabinen an Bord: Sie sind größer und komfortabler als die Standard-Kabinen, liegen auf den mittleren bis oberen Decks und bieten natürliches Licht und Aussicht auf das offene Meer oder norwegische Küstenlandschaften. Das ist ein klarer Pluspunkt auf dieser Route.

Die Arktis Außenkabine Superior
Unsere Arktis Außenkabine Superior auf Deck 5 wurde dadurch mehr als nur ein Rückzugsort: Sie war Basislager. Jacken, Mützen und Schals blieben oft griffbereit oder gleich angezogen. Denn es passiert ständig etwas draußen. Ein Licht, eine Küstenlinie, plötzlich auftauchende Berge und dann heißt es: schnell raus auf Deck. Viele Passagiere handhaben es ähnlich: Man bleibt „halb angezogen“, um jederzeit nach draußen zu können. Hurtigruten ist keine Reise, bei der man sich einmal schick macht und dann im Theater sitzt. Es ist eine Reise, bei der man ständig zwischen Innen und Außen, zwischen Wärme und arktischer Luft pendelt.

In unserer Kabine war das Meer unser ständiger Begleiter: Morgens weckte uns sanft die aufgehende Sonne über dem Horizont, abends glitten die Küstenfelsen still am Fenster vorbei. Ein eigenes Bad mit Dusche und WC, ein gemütliches Doppelbett und ein kleiner Platz zum Postkarten schreiben machten die Kabine zu einem intimen Rückzugsort nach langen Tagen voller Entdeckungen.


rechts: Neben dem Doppelbett befindet sich auch eine Sitzecke in der Kabine
Was diese Kabinen besonders angenehm macht, ist nicht nur die Lage über dem Wasser, sondern das ruhige Gefühl, das sie vermitteln: fernab von hektischem Bordbetrieb und doch mittendrin im Erlebnis Hurtigruten.
Hurtigruten – anders als andere Kreuzfahrten
Viele Menschen denken bei „Kreuzfahrt“ an riesige schwimmende Resorts mit Pools, Broadway-Shows und diverse Sportangebote an Bord. Die Hurtigruten-Kreuzfahrt ist anders: Sie ist eine Mischung aus klassischer Schiffsreise, Expeditionsgefühl und authentischer norwegischer Postschifftradition.
1. Kein klassischer „Hotel-Auf-See“-Kreuzfahrtstil
Auf Hurtigruten sind die Schiffe gleichzeitig Passagier- und Postschiffe: Sie bedienen ganz reale, oft kleine norwegische Häfen entlang der Küste, bringen Menschen, Waren und Post von Ort zu Ort und sind Teil des norwegischen Verkehrsnetzes seit dem 19. Jahrhundert.

Das prägt die gesamte Atmosphäre an Bord. Hier gibt es keine künstlich geschaffene Urlaubswelt, sondern einen funktionierenden Alltag auf See. Morgens gehen Pendler an Land, Fischer steigen zu, Container werden verladen und mittendrin befinden sich die Reisenden, die genau dieses echte Norwegen erleben wollen. Man merkt schnell: Hurtigruten fährt nicht für Touristen, sondern mit ihnen. Das Schiff ist Transportmittel, Treffpunkt und Beobachtungsplattform zugleich. Wer sich darauf einlässt, wird nicht bespaßt, sondern Teil einer Reise, die seit Generationen so stattfindet.
2. Tagesrhythmus nach Natur und Route
Statt abendlicher Shows oder Bühnenunterhaltung bestimmen hier Landausflüge, natürliche Lichtspiele und Küstenlandschaften den Tag. Mehrmals täglich legt das Schiff an, manchmal nur kurz, manchmal länger, und die Passagiere steigen aus, um Städte, Fjorde oder arktische Landschaften zu entdecken.

Besonders eindrücklich sind die Nächte. Während auf klassischen Kreuzfahrten abends Ruhe einkehrt, beginnt auf Hurtigruten oft ein zweiter, stiller Höhepunkt. Gerade in den Wintermonaten, aber auch im Frühling und Herbst, stehen nachts Menschen in dicken Jacken an Deck, schweigend, mit Blick zum Himmel. Jeder hofft auf diesen Moment: Polarlichter.
Es ist nichts Ungewöhnliches, dass mitten in der Nacht jemand durch die Gänge geht, nachdem die Durchsage auf der Kabine kam, dass Polarlichter gesichtet wurden. Die Durchsage kann man natürlich freiwillig aktivieren. Dann öffnen sich Kabinentüren, Schritte hallen leise über Deck, Thermoskannen werden geteilt. Niemand beschwert sich über die Kälte – denn das, was man sieht, entschädigt für alles. Diese geteilten, wortlosen Augenblicke gehören zu den intensivsten Erlebnissen an Bord.

3. Expeditionsteam & Landeskunde inklusive
Ein engagiertes Expeditionsteam begleitet die Reise: In Vorträgen, an Deck-Briefings oder bei Gesprächen vermittelt es Hintergrundwissen zu Geologie, Tierwelt, norwegischer Kultur oder Naturphänomenen wie Nordlicht oder Mitternachtssonne.
Dabei bleibt es nie trocken oder akademisch. Oft geht es um Beobachtungen, die man gerade selbst gemacht hat: ein Seeadler am Horizont, besondere Felsformationen oder das Polarlicht der letzten Nacht. Die Crew erklärt, ordnet ein, macht neugierig. Dieses Wissen begleitet einen über die gesamte Reise. Man sieht Landschaften nicht nur, man versteht sie ein Stück besser. Und genau das verändert den Blick. Jeder Küstenabschnitt bekommt Tiefe, jede Durchsage Bedeutung.
So begegneten wir auch den „Sieben Schwestern“ (Syv Søstre) an der Helgeland-Küste in Nordland. Es ist eine berühmte Gebirgskette, bestehend aus sieben markanten Gipfeln, die laut Sage versteinerte Trolljungfrauen sind.

4. Fokus auf Küstenlandschaft statt Entertainment
Auf Hurtigruten stehen Landschaft, Natur und lokale Kultur im Mittelpunkt. Große Pools oder Shows gibt es nicht, dafür aber einen direkten Zugang zur Nordatlantik-Landschaft, Felswänden, Wasserfällen und Fischerdörfern, die man so vom klassischen Kreuzfahrtschiff selten sieht. Entspannung ist auch an Bord von Hurtigruten möglich. Es gibt Whirlpools, Saunen und auch einen gut ausgestatteten Fitnessraum an Bord.
Statt Lasershows, Tanzeinlagen oder Captain’s Dinner bietet Hurtigruten etwas anderes. Man erlebt während der Kreuzfahrt echte maritime Rituale. Eines der bekanntesten ist die Überquerung des Polarkreises. Wenn das Schiff diese unsichtbare Linie passiert, versammeln sich Passagiere an Deck, egal bei welchem Wetter. Es wird erklärt, gefeiert, gelacht, fotografiert. Man kann Lebertran trinken und gemeinsam bei der Überquerung in die Lüfte springen. Man spürt: Das ist ein Moment, der zur Reise dazugehört.
Solche Ereignisse strukturieren die Tage an Bord. Sie geben der Route Bedeutung und machen deutlich, dass man sich nicht einfach von Hafen zu Hafen bewegt, sondern Teil einer jahrhundertealten Seereise ist.

5. Kulinarik und Atmosphäre
An Bord dominiert die „Coastal Kitchen“: Menüs mit nordischen Aromen, lokalen Zutaten und saisonalen Spezialitäten. Während man isst, gleitet die Küste vorbei.
Das Essen ist ein wichtiger Teil des Reisealltags. Man sitzt im Restaurant, während draußen Fjorde, Inseln und Küstenlinien vorbeiziehen. Gespräche werden leiser, Blicke wandern zum Fenster, manchmal bleibt das Besteck kurz liegen. Auch hier passt sich alles der Reise an: es gibt keine festen Galaabende und keinen Dresscode. Stattdessen eine entspannte, ruhige Atmosphäre, in der Genuss und Landschaft selbstverständlich zusammengehören.

Jeden Abend wird ein anderes Drei-Gänge-Menü serviert, das sich thematisch an der aktuellen Etappe der Route orientiert. Besonders schön: Die linke Seite der Speisekarte erzählt von der Region, den kulinarischen Traditionen und kulturellen Einflüssen, während die rechte Seite die Gerichte zur Auswahl zeigt. So wird das Essen zu einer stillen Form des Reisens.
Kirkenes etwa, nahe der Grenze zu Finnland und Russland gelegen, ist geprägt von einer multikulturellen Bevölkerung und genau das spiegelt sich auch auf dem Teller wider. Die Küche ist rustikal, nordisch und bodenständig: viel Fisch, Wild, Beeren und Kräuter. An diesem Abend stehen beispielsweise Borschtsch, Hering und Rentier auf dem Menü.
Zur Vorspeise gibt es samisches Brot mit Hering, eine Karottentarte oder russischen Borschtsch. Als Hauptgang kann man zwischen Finnmark-Rentier, Kabeljau oder Kartoffelkuchen wählen. Den Abschluss bilden russischer Honigkuchen, Himbeermousse, Eiscreme oder Käse. Es sind Gerichte, die nicht nur satt machen, sondern Geschichten erzählen von Regionen, Menschen und einer Küste, die man nicht nur sieht, sondern auch schmeckt.

5 GRÜNDE,
warum man diese Hurtigruten-Reise machen sollte
1. Natürliche Schönheit pur
Von der Arktislandschaft bei Kirkenes über die zerklüfteten Fjorde bis hin zu den urbanen Farben Bergens. Jede Meile auf See ist ein Panorama für sich. Mit dabei sind Seegang, Wind, salzige Luft, denn diese Reise ist kein gefiltertes Erlebnis. Man bleibt auch an Bord dick angezogen, immer bereit für den nächsten Blick nach draußen.
2. Authentisches norwegisches Erlebnis
Das Schiff und die Reise sind ein Stück norwegische Identität: Polarlichter, Stille und geteilte Momente auf Deck, all das ist unvergesslich. Auch das nordische Essen gehört zu diesem Erlebnis. Die Gerichte erzählen von der Region, von Fischfang, Jagd, Beeren und Kräutern, von Einfachheit und Qualität. So verbindet sich alles zu einem Reisegefühl, das lange in Erinnerung bleibt.
3. Tägliche Entdeckungen
Mit regelmäßigen Anläufen in über 30 Häfen bietet diese Reise jeden Tag neue Eindrücke. Sei es ein kurzer Spaziergang durch ein Fischerdorf, der Besuch des Hurtigruten Museums oder ein Blick in eine abgelegene Bucht. Manchmal reicht es auch nur das An- und Ablegen des Postschiffes zu beobachten.
4. Die Arktis Außenkabine Superior als Ruheinsel
Nach langen Tagen voller Eindrücke ist die Kabine auf Deck 5 ein kleiner Rückzugsort: Warm, ruhig, mit Aussicht und ideal, um zwischen zwei Deckgängen kurz durchzuatmen.
5. Expedition an Bord
Vorträge, Deck-Sichtungen, Gespräche mit Guides sind an der Tagesordnung. Diese Reise ist nicht nur Sightseeing, sondern echtes Lernen und Erleben. Die Überquerung des Polarkreises ist für alle kein Programmpunkt, sondern ein gemeinsames Erlebnis.
Text und Fotos: Cruise Sisters
