Reisen und Schreiben in Norditalien
von Marie Wildermann
Aktivurlaub steht hoch im Kurs. Wandern, Segeln, Biken, Yoga und andere Sportarten, aber auch kreative Aktivitäten wie Malen, Töpfern oder Schreiben bekommen einen ganz eigenen Charme durch den Aufenthalt in einer ganz neuen Umgebung.
CTOUR-Autorin Marie Wildermann hat sich von einem Kurs für Kreatives Schreiben in der Emilia Romagna inspirieren lassen.
Südlich der Lombardei und Venetiens in der Grenzregion zur Toskana in der hügeligen Emilia Romagna, liegt – fernab von den großen Touristenmagneten, aber dennoch zentral zwischen Bologna und Florenz – der kleine beschauliche Ort Montese. Mehrmals im Jahr, meistens im Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturen angenehm sind, lässt sich hier Slow Tourism und Kreatives Schreiben vortrefflich verbinden.

Begleitet von der bilingualen Schreibdozentin Renate Magnani – sie lebt sowohl in der Nähe von Bologna als auch in der Nähe von Potsdam – geht es in kleinen Gruppen (maximal 10 Teilnehmende) darum, „die eigene Schreibstimme zu finden“ (Magnani).
Foto: © Marie Wildermann
Das vorrangige Ziel ist keine Fortbildung, um das Schreibhandwerk zu verbessern (das geschieht ohnehin ganz nebenbei), sondern in den Schreibprozess zu kommen.
Niemand erwartet Monteser Elegien. Doch viele Teilnehmer, auch ganz Ungeübte, entwickeln zauberhafte Miniaturen und verblüffende Sprachbilder, die sich in dieser verwunschenen, unaufgeregten Umgebung erstaunlich mühelos entwickeln.
Ausgangspunkt des Schreibens ist der Ort. Nach Übernachtung und Frühstück im Monteser Hotel Belvedere schwärmen die Teilnehmer individuell aus, um den Ort kennenzulernen und auf sich wirken zu lassen. Das, was emotional berührt, was Erinnerungen und Assoziationen weckt, wird das Material für die erste kleine schriftliche Fingerübung.

Die Highlights des Ortes sind schnell aufgezählt: Eine mittelalterliche Burg, das historische Museum, das von deutscher Besatzung und der Befreiung der Italiener im Zweiten Weltkrieg berichtet und ein 23 km langer Wanderweg entlang der sogenannten „Gotenlinie“, dem Frontverlauf 1944/45 entlang der Orte Castel d’Aiano, Montese, Lizzano de Belvedere u.v.a. Zum Verweilen, Reflektieren und Schreiben laden Espresso-Bars, Eisdielen und Restaurants ein.

Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut, wurde die Burg von Montese in verschiedenen Epochen erweitert, umgebaut, mehrfach angegriffen und niedergebrannt.

Zu den unzähligen Burgherrinnen und -herren im Laufe der Jahrhunderte zählte, so heißt es, Petronilla aus Lucca. Angriffe der Signoretti zwangen sie zu einer hastigen Evakuierung und Flucht, bei der sie nur ihre persönlichsten Gegenstände sowie Kleider und Schmuck mitnehmen konnte. Der sperrige und schwere Schatz musste zurückbleiben. Der Überlieferung nach ließ sie ihn in die Zisterne des Schlosses einbauen. Doch Petronilla kehrte nie nach Montese zurück, und so geht bis heute die Sage, der geheimnisvolle Schatz liege noch immer auf dem Grund des Wassers in der Burg-Zisterne. Doch ob Wahrheit oder Legende, lässt sich nicht verifizieren, nicht einmal, ob Petronilla tatsächlich als historische Figur existiert hat.

Sicher ist hingegen, dass Mathilde von Tuszien aus der Familie der Herren von Canossa, eine der mächtigsten Adligen in Italien in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, über große Teile der Emilia-Romagna, Lombardei und Toskana herrschte. Ihre Burg in Canossa lag zwischen Parma und Reggio Emilia.
Auf der Burg, da wo sich durch verschiedene Burghöfe getrennt, in früheren Zeiten die Wohn- und Schlafgemächer der Burgherrinnen und Burgherren befanden, in der Stanziola die Waffen aufbewahrt und in Gefängnissen die Delinquenten weggesperrt wurden, sind heute Museum und Veranstaltungsräume untergebracht.
Auch der Burggarten ist in seiner Abgeschiedenheit und mit Blick auf die Kirche St. Lorenzo aus dem 12. Jahrhundert der ideale Ort zum Schreiben und zum gegenseitigen Vorlesen.

Das Fazit vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Es ist eine ungemein beglückende Erfahrung, die eigene Kreativität zu entdecken in diesem unaufgeregten, inspirierenden Ambiente –

unterbrochen von Wanderungen in der Natur, von historischem Input, von der Authentizität des italienischen Landlebens und einem Ausflug in die pulsierende Metropole Bologna, die mit ihrer historischen Altstadt jeden Besucher verzaubert.
links: Die Alte Börse in Bologna, heute ein lebendiges Informations- und Kommunikationszentrum für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt
SCHREIBEN IN MONTESE
Unter der Leitung der bilingualen Schreibdozentin Renate Magnani finden im Sommer 2026 wieder Schreibkurse in Montese statt,
u.a. vom 14. – 19. Juni 2026
Infos und Anmeldung unter
www.schreibwerkstattmagnani.de
Fotos: Renate Magnani
