WIR MACHEN UNS AUF DEN WEG

Wie sich Neuruppin auf den
250. Schinkel-Geburtstag vorbereitet

Von Sylvia Acksteiner

Wie wird man einem Jubilar gerecht, der von seinem Geburtsort Neuruppin in die Welt zog, um ein großartiger Baumeister zu werden?
Was kann eine kleine brandenburgische Stadt beitragen, wenn die beeindruckendsten Bauzeugnisse in Berlin, Potsdam, Aachen, Magdeburg, auf Rügen oder in Polen und Russland stehen?
Und was war dieser Karl-Friedrich Schinkel für ein Mensch – was konnte er noch außer bedeutende Kirchen, Museen, Schlösser, Türme und anderes mehr planen und umsetzen?
Begegnungen im Ruppiner Land – fünf Jahre vor einem großen Jubiläum.

„Schinkel 250 nimmt Fahrt auf.“

So begrüßt der Neuruppiner Kultur- und Tourismuschef Mario Zetzsche eine CTOUR-Journalistengruppe. Es laufen Vorbereitungen, Gespräche, Ideensammlungen, es gibt eine erste Ausstellung, einen Platz, der nun Schinkelplatz heißt, eine aktive Schinkel-Gesellschaft und vieles mehr. Alles für ein großes Jubiläum in 5 Jahren: 2031 jährt sich der Geburtstag des Neuruppiner Sohnes Karl Friedrich Schinkel zum 250. Mal.

Und man kann sagen, die Stadt nähert sich diesem bedeutenden Jahr auf höchst unterschiedlichen Wegen.

Der Fontane-Weg

Neuruppin ist eigentlich Fontane-Stadt, seit 1998 trägt sie diesen Beinamen. Aber natürlich prägt auch das Erbe von Schinkel die Identität der Stadt, gibt es eine Schinkelstraße, trägt das Gymnasium seinen Namen, steht ein Schinkel-Denkmal auf einem großen Platz, hat das Museum eigene Schinkel-Räume und wurde der Kirchplatz der Stadt 2026 umbenannt in Schinkel-Platz.

Der frühere Kirchplatz heißt seit 2026 Schinkelplatz

Zum Fontane-Jubiläum 2019 (200. Geburtstag) starteten die Vorbereitungen auch fünf Jahre vorher.

„Diese Erfahrungen sind extrem wichtig und helfen uns sehr“, sagt Mario Zetzsche, der damals der Projektleiter war und es heute für das Schinkel-Jubiläum in seiner neuen Funktion als

Amtsleiter Kultur und Tourismus wieder ist.
Er versteht Neuruppin als „Kulturstadt“ und arbeitet mit vielen Partner daran, welche Geschichte Neuruppin über Schinkel erzählen will. Und er muss kämpfen, um Landes- und Bundesmittel zu akquirieren, die nicht mehr in so großem Umfang wie beim Fontane-Jubiläum zur Verfügung stehen werden.

Der offizielle Weg

Zetzsche weiß genau, wo er Unterstützer findet. Die Stadtverordnetenversammlung beauftragte ihn bereits im Oktober 2025, ein Konzept auszuarbeiten. Politik und Verwaltung stehen hinter dem Projekt. Es gab bereits ein erstes Treffen mit dem Kulturministerium von Brandenburg und auch mit Verantwortlichen in Berlin. Alle, so Zetzsche, haben die Planungen „wohlwollend“ aufgenommen. Eine Sonderbriefmarke und eine Sondermünze wurden beantragt und die Webseite schinkel250.de gesichert. Über diese Plattform sind Bürger, Vereine und Kulturschaffende aufgerufen, „eigene Projektideen einzureichen, um Schinkel zeitgemäß in Szene zu setzen“.
Daran arbeitet auch die Schinkelgesellschaft im Ort – die einzige derartige Gesellschaft in Deutschland.
Auf die Frage, wie groß, wie national und international dieses Jubiläum werden soll, antwortet Mario Zetzsche:

„Es gibt vielseitiges Interesse, aber wir werden uns an den personellen und finanziellen Ressourcen orientieren müssen.“

Da bleibt es also noch spannend, wie weit das Jubiläum ausstrahlen wird.

Der Zeitzeugen-Weg

Eine besondere Form der Annäherung an Schinkel hat schon Gestalt angenommen. Und zwar in Form der Ausstellung „Kunst, echte Kunst überall“.

Ausstellung im Museum Neuruppin vom 11.10.2026 bis 5.4.2027

Sie ist dem Schinkel-Schüler Ferdinand von Quast gewidmet, der 1843 zum ersten preußischen „Konservator der Denkmäler“ ernannt wurde und somit als Begründer der modernen Denkmalpflege gilt.

Schinkel und von Quast stammten beide aus Neuruppin, und aus ihrem Lehrer-Schüler-Verhältnis wurde später ein intensives

und freundschaftliches Arbeitsverhältnis.

In seinem Wohnsitz Radensleben (ca. 10 Kilometer von Neuruppin entfernt und heute Ortsteil der Stadt) sammelte von Quast italienische Gemälde, Skulpturen des Spätmittelalters und der Renaissance, friderizianische Möbel und Porträts sowie originale Zeichnungen Schinkels.

Eines der wertvollen Exponate: Grabanlage – Zeichnung von Schinkel, die im Besitz von Fontane war

Durch Zerstörungen im Krieg und Auslagerungen nach Enteignung sind die Kunstwerke heute weit verstreut. Teile der Sammlung werden in der Ausstellung erstmals wieder zusammengefügt.

Dabei leisteten die Kuratoren zum Teil Detektivarbeit , erzählt Museumsleiterin Maja Peers, und die Vielzahl der Exponate ist beeindruckend.

Der Erinnerungs-Weg

Schinkel in Neuruppin – aber wo genau soll das sein?
Das Geburtshaus wurde bei dem verheerenden Stadtbrand 1787 vollständig zerstört. Was danach auf Geheiß von König Friedrich Wilhelm II. an Wiederaufbau geschah, bestimmte das spätere Agieren Schinkels als Planer und Architekt maßgebend. Er wuchs bis zu seinem 13. Lebensjahr praktisch auf einer Baustelle auf. Bis heute sind die weitläufigen breiten Straßenzüge erkennbar – sie waren als Brandschneisen gedacht und ließen frischen Wind in die Stadt. Der Rasterbau quasi wie ein Schachbrett galt als klassizistisches Musterwerk. Die monumentalen Platzanlagen waren modern und lassen bis heute eine Weite und Großzügigkeit erkennen. Mit dem einheitlichen Stil der zweigeschossigen Häuserfronten und dahinter liegenden Gärten setzten die Bauherren neue Maßstäbe.

Das Denkmal Friedrich Wilhelm II. auf dem zentralen Schulplatz
Und gegenüber das Alte Gymnasium von Schinkel

All das gehört zur Biografie Schinkels und lässt sich an seinem Geburtsort am besten erleben.
Die Vorbereiter des Schinkel-Jubiläums denken über eine geeignete Umsetzung nach, wie man zum Beispiel das Geburtshaus für heutige Besucher „sichtbar“ machen kann.
Zu sehen ist auch das Predigerwitwenhaus – es blieb vom Brand verschont. Hierher zog die Familie nach dem Tod des Vaters. Heute ist die Fischbänkenstraße 8 auch der Sitz der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft.
Ebenso sind die Klosterkirchentürme zu besichtigen, die nach Plänen von Schinkel 1834 wiederhergestellt wurden.

Klosterkirchtürme, vom Garten des Predigerwitwenhauses gesehen

Die Räume im Museum bieten für alle Entdeckungen den besten Ausgangspunkt.

Der Talente-Weg

Eine genaue Berufsbezeichnung für Schinkel fällt schwer, denn er war nicht nur Architekt und Baumeister, sondern als Oberlandesbaudirektor auch ein Staatsdiener und der oberste preußische Baubeamte. Doch bevor er dieses Amt übernahm, verdiente er sein Geld als Landschafts- und Architekturmaler. Weltberühmt ist sein Sternenhimmel als Bühnenbild für die Mozart-Oper „Die Zauberflöte“. Weniger bekannt dagegen dürfte sein, dass Schinkel auch Designer und Kunsthandwerker war – er gestaltete Innenräume und entwarf Möbel.

Kunstgegenstände aus der Hand Schinkels – zu sehen im Museum Neuruppin

Ein großes Faible hatte er für neue Materialien wie Gusseisen oder unverputzten Backstein. Darüber hinaus gibt es Zeugnisse seines Talents als Grafiker und Medailleur – so geht das finale Aussehen des preußischen Ordens „Eisernes Kreuz“ auf ihn zurück.

Man kann ihn also ohne Übertreibung als Universalgenie bezeichnen. Und viele Einzelstücke seines Schaffens werden im Musem Neuruppin ausgestellt.
Nachbauten seiner berühmten gusseisernen Gartenbänke sind bereits im Schinkelpark zu sehen und werden vor und nach dem Jubiläum sicher ein noch beliebteres Fotomotiv.

Gusseiserne Bänke nach Schinkels Vorbild – finanziert von Neuruppiner Bürgern

Der Generationen-Weg

Mit dem Blick auf Kinder und Jugendliche startet auch die Schinkel-Gesellschaft Neuruppin in die Jubiläumsvorbereitungen.

„Nicht museal, sondern reinspringen in die Gegenwart und Zukunft“, so beschreibt Otto Wynen vom Vorstand die ersten Überlegungen.
Eine Frage könnte zum Beispiel sein, wie ging Schinkel mit „Raum“ um, und wie empfinden wir das heute.

Dazu wollen sie gemeinsam mit Studenten ein Programm für Schüler entwickeln, die dann zum Beispiel ein Kinderzimmer aus Schinkel-Zeiten nachbauen können.

Auch Vorstand Matthias Finken möchte die Räume der Gesellschaft im Predigerwitwenhaus für mehr Veranstaltungen öffnen. Ihm schweben Lesungen, Kunstausstellungen, Musikabende vor.
Und vor allem Gespräche, vielleicht mit einem Glas Wein in der Hand vom Weinhaus gegenüber.


Überhaupt die lokale Vernetzung, die liegt allen Akteuren in Neuruppin am Herzen. Und auch da lässt sich an vieles aus dem Fontane-Jahr anknüpfen.

Offene Türen bei der Schinkel-Gesellschaft in Neuruppin

Der digitale Weg

Auch das Schinkel-Jubiläum wird ein Online-Ereignis werden, so wie es schon die Fontane-Feierlichkeiten waren. Die Webseite Schinkel250.de ist gesichert. Darauf bündeln die Akteure alle Projekte, Kulturangebote und Veranstaltungen rund um das Jubiläumsjahr. Und sie hält damit schon fünf Jahre vor dem Jubiläum alle Interessenten auf dem Laufenden.

„Wir machen uns auf den Weg“ – dieser Anspruch und diese Einladung an viele Gäste von nah und fern ist in Neuruppin schon jetzt an  vielen Orten und bei vielen Akteuren zu spüren.

CTOURisten beim Medientreff in Neuruppin

Fotos: Sylvia Acksteiner

www.schinkel250.de
www.neuruppin.de
www.museum-neuruppin.de
www.schinkelgesellschaft.de

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