Von Margrit Manz
Unter dem Motto „Albacete todoterreno, tu destino por mil caminos“ (Albacete – Ihr Reiseziel auf tausend Wegen“) wurde am 4. März 2026 im Rahmen der ITB im Präsentationsraum von Turespaña die Provinz Albacete vorgestellt. Sie liegt in der Autonomen Gemeinschaft von Kastilien-La Mancha auf einer Höhe von rund 700 m und entspricht mit 70.000 km² in etwa der Größe Bayerns.
Albacete, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Albacete, ist auch Bischofssitz für das Bistum Albacete.

Madrid ist ca. 250 km entfernt und die Küstenorte Valencia und Alicante ca. 190 bzw. 170 km. So lassen sich in kurzer Distanz Abstecher ins turbulente Stadtleben oder zum Sonnenbaden an den Strand machen. Die Temperaturen laden allemal dazu ein, denn im Sommer steigen sie gerne in den warmen bis heißen Bereich. Regen gibt’s eher im Winterhalbjahr.


In der Hauptstadt Albacete wohnt etwa die Hälfte der Einwohner der Provinz. Seit dem 20. Jahrhundert ist Albacete nach und nach zu einer Großstadt geworden.

Trotzdem wurden alte Traditionen wie die Feria de Albacete, die seit 300 Jahren zelebriert wird, erhalten.
Vom 7. – 17. September 2026 werden bei dem großen Volksfest wieder tausende Besucher aus allen Teilen des Landes erwartet. Mittelpunkt ist die Schutzpatronin der Stadt, die Virgen de los Llanos.
Ein weiteres großes Event ist die Tamborada vom 2.-5. April 2026 während der Karwoche in Hellín: Bei diesem Anlass ertönen im Dorf bis zu 20.000 Trommeln, die ein mehrtägiges Ohrenfeuerwerk in Gang setzen.

Tamborada und die Karwoche in Hellín. 02/04/2026. Feste in Hellín | spain.info
Berühmt sind auch die Sägemehlteppiche zu Fronleichnam in Elche de la Sierra: Wie jedes Jahr, so auch diesmal vom 5.-7. Juni 2026, belegen die Einwohner der Gemeinde die Straßen mit Teppichen aus Sägespänen und ähnlichen Materialien.

Über diese kreativen und farbenfrohen Kunstwerke, die hauptsächlich religiöse Themen zeigen, bewegt sich später in gemessenen Schritten die Fronleichnamsprozession.
Die Tradition geht auf das Jahr 1964 zurück, als der lokale Händler Francisco Carcelén die Idee hatte, das überschüssige Sägemehl seiner Holzwerkstatt weiter zu nutzen. Ihm schwebte vor, es kunstvoll auf den Straßen auszulegen, was bei den Einwohnern gut ankam.
Und seitdem beteiligen sich alle, ob jung oder alt, an dieser gemeinschaftlichen Arbeit.

Sie wählen in monatelanger Vorbereitung die Motive aus, fertigen Schablonen an und färben das Sägemehl. So wird auf neue Art und Weise das Fronleichnamsfest und die Authentizität der Region gefeiert.
„Das ist die allerlängste Nacht, die dem allerschönsten Morgen vorausgeht“,
heißt es. Jedes Jahr versuchen sich die „Teppichleger-Vereine“ mit den Sägemehl-Kreationen noch zu übertreffen. Neben den kunstvollen Teppichen gibt’s in Elche de la Sierra an diesem Wochenende noch ein Rockfestival, Blaskappellenkonzerte und Sportwettbewerbe.
Die Bürgermeisterin und Tourismus-Chefin Raquel Ruiz López von Elche de la Sierra berichtet, dass es aktuell 600 Menschen sind, die mit Ruhe und Geduld die wunderschönen Motive auf den Straßen umsetzen. Diese Tradition ist bei der UNESCO angemeldet und man hofft, es auf die Liste des „immateriellen Kulturerbes“ zu schaffen. Außerdem wird seit 2014 bei der spanischen Regierung um Aufnahme als „Ort von internationalem Interesse“ geworben.

Albacete lockt mit einigen Highlights, darunter mit Spaziergängen durch seine malerischen Parks wie dem Abelardo Sanchez (links im Bild )sowie durch gepflegte Gartenanlagen oder verschlungene Gassen.
Die zum Teil maurisch geprägten Paläste, die alte Stierkampfarena Plaza de Toros (rechts im Bild)

oder die abenteuerliche Rennstrecke im Motorsport (Circuito de Albacete) sind ein Muss für jeden Besucher, wie auch die Gebäude aus dem 12. Jahrhundert in der Altstadt und natürlich die Kirche de la Asunción.
Vom Astro-Tourismus und Sternbaden
Frei von Lichtverschmutzung hat man in Albacete die Möglichkeit, einen einmaligen Sternenhimmel zu genießen. Attraktive Unterkünfte, z.B. das San Miguel in Toledo oder das Dos Aguas, die fernab von den üblichen Nobelressorts liegen, bieten direkten Kontakt zur Natur, die man erwandern oder mit dem Rad erkunden kann, z.B. entlang einer alten Eisenbahntrasse, die extra dafür ausgebaut wurde.


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Heimat des Ritters der traurigen Gestalt
«En un lugar de la Mancha, de cuyo nombre no quiero acordarme, no ha mucho tiempo que vivía un hidalgo de los de lanza en astillero, adarga antigua, rocín flaco y galgo corredor.»
„An einem Orte der Mancha, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein verarmter Adliger, einer von jenen, die einen Speer im Lanzengestell, eine kleine Tartsche, einen hageren Gaul und einen Windhund zum Jagen haben.“
So beginnt einer der berühmtesten Romane der Welt: Don Quijote de la Mancha.

Kastilien-La Mancha im Herzen Spaniens ist eine Region mit vielen Gesichtern, aber vor allem ist sie als Heimat von Don Quijote bekannt. Sein Autor Miguel de Cervantes (1547-1616) veröffentliche 1605 die Abenteuer des Ritters von der traurigen Gestalt und seines Knappen Sancho Pansa.
links: Bronzestatue Don Quijote und Sancho Pansa in Madrid
Unterdessen hat man auf den Spuren Quijotes viel geforscht und Villanueva de los Infantes zu dem Ort gekürt, wo Don Quijote gelebt haben soll. Die Bürgermeisterin Carmen María Montalban Martínez freut sich, dass dies nach mehr als vierhundert Jahren nun auch wissenschaftlich bewiesen sei. „Eine Studie der Universität Complutense in Madrid hat das gut 40 km südlich von Argamasilla de Alba gelegene Villanueva de los Infantes als Ausgangspunkt der Ausritte Don Quijotes bestimmt. Über siebenundzwanzig Orte standen am Ende in der engeren Auswahl, aber Villanueva de los Infantes war der richtige Ort in der Mancha, auf den sich Cervantes am Anfang seines Romans bezieht“, sagt sie stolz.
Auf der ITB komme ich am spanischen Stand mit Pedro ins Gespräch. Er ist sich sicher, dass unter den Spaniern mehr Quijotes als Sanchos leben und dass sie von den unterschiedlichen Vorstellungswelten der beiden Helden stark geprägt seien. Pedro meint: „Entweder bevorzugen wir eine ritterliche, großzügige Einstellung oder eine materielle. Quijote und Sancho stehen für unterschiedliche Lebensweisen: Für den einen braucht es ein gutes Leben mit reichlich Essen, für den anderen ein edles Gemüt im Geiste.“
Die Region Kastilien-La Mancha hat sogar eine touristische Route entwickelt, die Ruta de Don Quijote, um ihrem Helden zu huldigen.

Die Mancha mit der unendlichen Weite der Hochebene, ihren Autostraßen, auf denen man stundenlang fahren kann, ohne die Kilometer wirklich zu spüren, mit den Windkrafträdern auf fernen Berghöhen – das alles beflügelt die Reise auf literarischen Spuren und bietet Möglichkeiten, mehr über die Eigenheiten der Einwohner zu erfahren. Die Kombination aus dem „großen Dünnen“ und dem „kleinen Dicken“ hat viele Künstlerinnen und Künstler bis zum heutigen Tag inspiriert. Und wenn jemand zu wirklichkeitsfremd auftritt, also den „Kampf gegen Windmühlen“ aufnimmt, den er nicht gewinnen kann, so wird dies als Donquichotterie bezeichnet. Genauer gesagt, als Schnapsidee!

Ob auf literarischen oder architektonischen Spuren, eine Reise in die Autonome Gemeinschaft Kastilien-La Mancha lohnt sich.
Routen durch die schönsten Dörfer in Kastilien-La Mancha | spain.info
Margrit Manz ist Chefredakteurin und Herausgeberin des Online Portals China Report. Seit über 20 Jahren berichtet sie über Wirtschaftsbeziehungen und Kulturaustausch in China, informiert über Entwicklungen im internationalen Tourismus und regionaler Küche, rezensiert neue Bücher. Ihre Texte werden regelmäßig in Print- und Online-Magazinen in Deutschland, China und der Schweiz veröffentlicht.
https://manz-chinareport.com
Margrit Manz ist Mitglied des Präsidiums der Reisejournalistenvereinigung CTOUR.
Fotos: ©spain tourism
