Als Redakteurin muss man sich entscheiden, denn ALLES auf der ITB zu sehen und zu erleben, ist kaum möglich.
Meine Wahl fiel auf Mecklenburg-Vorpommern, Angola, China, Jamaica, Sachsen-Anhalt und Österreich.
Und außerdem war CTOUR-Mitglied Mario Zeidler mit der Kamera unterwegs und hat seine Eindrücke in ausdrucksstarken Fotos festgehalten.
Mehr internationale Gäste an die Küste
Mecklenburg-Vorpommern setzt auf das Thema „Internationalität“. Zum einen sind das Veranstaltungen und Reiseziele mit internationaler Strahlkraft wie das Segelevent Sail Grand Prix in Saßnitz, das Airbeat-Festival für elektronische Musik in Neustadt-Glewe oder die Weltkulturerbestätte Schloss Schwerin.

Zum anderen liegt der Fokus darauf, mehr internationale Gäste nach MV zu holen, denn der Anteil ausländischer Gäste liegt unter vier Prozent.
Insgesamt war das Jahr 2025 das zweitbeste touristische Jahr seit 1990 (nach 2019). Es gab 33,3 Mio. Übernachtungen. Während die bundesweite Aufenthaltsdauer der Gäste bei durchschnittlich 2,6 Tagen liegt, kann MV auf 4,1 Tage verweisen.

Staatssekretär Jochen Schulte (rechts im Bild) betonte, dass sich sein Land als weltoffen und freundlich zeigt. Die Inflation, die Energiepreise und der Fachkräftemangel stellen aber auch
Mecklenburg-Vorpommern vor große Herausforderungen.
Der Geschäftsführer der MV Tourismus GmbH Peter Kranz präsentierte seine neu gegründete Gesellschaft als Partner für Marketing und Tourismusentwicklung. Sie übernimmt die Aufgaben des aufgelösten Tourismusverbandes. Der Auftritt bei der ITB war die erste große Bewährungsprobe.


Mecklenburg-Vorpommern setzt auch 2026 auf internationale Projekte und Veranstaltungen.
Das Schloss in Schwerin und weitere 37 Gebäude gehören seit 2024 zum UNESCO-Welterbe. Anlass für viele Gäste, das spektakuläre Residenzensemble zu besichtigen.

Nach aufwändiger Restaurierung wieder geöffnet hat das Museum Schwerin mit einer neu konzipierten Ausstellung und dem besonderen Ambiente der historischen Räume.
Auch Ludwigslust lädt nach der Wiederöffnung des Goldenen Saals ins Schloss ein. Damit ist der lange nicht zugängliche Westflügel wieder zu besichtigen. Hier soll vor allem die Geschichte der Frauen am Hofe erzählt werden.

Mit dem Sail Grand Prix war der Stadt Saßnitz ein echter Coup gelungen.
Die einzige deutsche Station bei diesem internationalen Sport-Großereignis brachte Tausende Gäste – vor allem aus Skandinavien – auf die Insel Rügen.
Über die ZDF-Berichterstattung wurden über zwei Millionen Zuschauer in Deutschland erreicht, weltweit waren es mit den Beiträgen über 200 Millionen. Die Vorbereitungen für 2026 laufen schon.
rechts: Tausende Besucher auf den Tribünen verfolgen das spektakuläre Ereignis © SailGP Saßnitz

Einmal im Jahr verwandelt sich auch der Flughafen Neustadt-Glewe in einen internationalen Hotspot. Das Airbeat One Festival für elektronische Musik ist mittlerweile zu einem weltweit anerkannten Musikereignis geworden. Über 200.000 Besucher kommen an den Veranstaltungstagen, 80 – 90 Prozent der Bühnenakteure sind internationale DJ’s.
Spektakulär sind jedes Jahr die Bühnenaufbauten.

2023 wurde schon mal das Brandenburger Tor in Originalgröße nachgebaut.
© Airbeat One Festival
In diesem Jahr findet das internationale Musikereignis vom 8. bis 12. Juli statt – Motto sind diesmal die Niederlande
Damit noch mehr internationale Besucher nach Mecklenburg-Vorpommern kommen, wurden viele Gespräche bei der ITB geführt, mit touristischen Anbietern, Verkehrsträgern, Reiseveranstaltern und Medien. Dazu diente auch ein neues Format, ein tourismuspolitisches Frühstück in der MV-Landesvertretung– initiiert vom Tourismus-Geschäftsführer.

Hier trafen sich Touristiker und politische Entscheidungsträger zu einem spannenden Gedankenaustausch.
Tanzen für den Tourismus
Angola war das Gastland der ITB. Nach einem schweren Hurrikan hat sich das Land erholt und setzt vor allem auf Nachhaltigkeit und neue Erlebnisangebote.

Tourismusdirektor Márcio de Jesus Lopes Daniel zählt sein Land zu den Big 5 mit Namibia, Sambia, Simbabwe, Botswana.
Für ihn ist klar, dass der Tourismus Arbeitsplätze schaffen kann und deshalb vor allem junge Leute im Land bleiben werden. Neben Safaris und Sonne + Strand sieht er das größte Kapital in der Kultur, der Musik und dem Tanzen.
„Wie sich die Menschen bewegen, macht das Land einzigartig.“
Und deshalb stehen die Tourismusinitiativen auch unter dem Motto „The Rhythm of Life“. Für Investoren gibt es eine neue Guideline, deutsche Reisende brauchen kein Visum, die Infrastruktur soll ausgebaut werden – all das sind Maßnahmen, um den Tourismus anzukurbeln.

Im Jahr des Pferdes
Auch China startet nach den langen Nach-Corona-Jahren wieder durch. Die Zahl ausländischer Touristen steigt. Damit nähert sich die Branche den Wachstumsraten vor der Pandemie an. Städte investieren in neue Produkte, die Nachfrage nach individuellen und kulturell tiefgehenden Erlebnissen nimmt zu.

Bei der Chinese Night zur ITB 2026 standen die Regionen Chongqing, Shandong und Hubei besonders im Fokus.


Shandong südlich von Peking am Gelben Meer gelegen warb besonders damit, Heimat von Konfuzius zu sein. Außerdem bieten Veranstalter thematische Reisen an, so zum Beispiel eine Weltkulturerbe-Tour, einen Trip zu Kunsthandwerk-Stätten, eine Küstentour oder auch einen Besuch von Hightech-Betrieben.
Traumurlaub in der Ferne
Jamaica stellte im Rahmen der ITB einen neuen Film vor – ein Projekt der Dualen Hochschule Baden-Württemberg aus Stuttgart.

„Under Pressure. Made of Emergy“ ist der Filmtitel und das Leitmotiv für eine Sicht auf das Land. Die StudentInnen nähern sich in mehreren Kapiteln von Geschichte über Tourismus bis zu Musik und Sport einem Land an, das durch den Hurrikan Melissa im Oktober 2025 schwer getroffen wurde.
Deshalb betonte Tourismusdirektor Bartlett bei einem Podiumsgespräch auf der ITB, dass Tourismus künftig auch als „kritische Infrastruktur“ geplant werden muss, genau so wie Energie, Wasser oder Verkehr. Trotz der Risiken bleibt die Nachfrage nach Zielen in Jamaica stark, und das Land arbeitet weiter an Flugverbindungen, zusätzlichen Beherbergungskapazitäten und Ausbildung. Von daher kann der Tourismus nach dem schweren Hurrikan für das Land ein Motor der Erholung sein.
Der Domschatz von Quedlinburg
Sachsen-Anhalt setzt auf Reiseanlässe, um die Verweildauer zu erhöhen. Dazu gehören die Eröffnung des Stiftsbergs in Quedlinburg und das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus Dessau.
Insgesamt liegt das Land mit über 8 Millionen Übernachtungen noch unter dem Vorpandemiejahr 2019 – die Zahlen sind aber stabil. Und die Touristiker präsentieren auf der ITB ihre Projekte unter dem Motto „Mach Dir eine schöne Zeit“. Auf die Frage, worin sie strategische Prioritäten für den Tourismus in Sachsen-Anhalt sieht, antwortet Staatssekretärin Stefanie Pötzsch, es ginge vor allem um qualitätsvolle Angebote, um die Erschließung der Auslandsmärkte und um attraktive Kulturangebote.
Mit dem Harz, und dort vor allem mit den UNESCO-Kulturstädten Wernigerode und Quedlinburg, hat das Land ein großes Pfund in der Hand. Neuer Reiseanlass für die Besucher wird 2026 der Stiftsberg in Quedlinburg. Am 28. März beginnt mit der Eröffnung von Stiftskirche und Domschatz ein neues Kapitel für den inspirierenden Ort, der mehrere Jahre nicht überall zugänglich war. Im Sommer soll dann im neuen Schlossmuseum die Geschichte Quedlinburgs lebendig werden, mit ihren hochadligen Frauen, die geistliche Verantwortung und weltliche Macht vereinten.

Carola Schmidt vom Harzer Tourismusverband berichtete, dass auch viele Familien mit Kindern den Harz neu entdecken.

Sehr beliebt ist die Brockenbande geworden – ein gemeinsames Projekt der Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Brockenbande – ein Radio-Podcast für Kinder zwischen 6 und 10 – ist ein Reporterteam von vier Kindern, die gemeinsam viele Abenteuer im Harz erleben und darüber spannend berichten.
Das Bauhaus Dessau feiert in diesem Jahr den 100. Geburtstag – und Besucher können sich ab
März auf verschiedenen Wegen mit Häusern und Ausstellungen auf die Spuren der Bauhäusler begeben.
© Stiftung Bauhaus Dessau

Vier Jahreszeiten in Österreich
Österreich stellte seine neue Kampagne „The Austrian Synapse“ vor und will damit den Weg fortsetzen, unser Nachbarland als Ganzjahresdestination zu etablieren.
Knapp ein Drittel aller Reisenden kommt bereits in der Nebensaison. Das wird möglich, weil 70% der Hotels, Gastronomie und Freizeitbetrieben bereits ganzjährig geöffnet haben. Bei internationalen Gästen ist zu beobachten, dass sie traditionell saisonunabhängiger reisen.

Mit dem diesjährigen Eurovision Songcontest ESC in Wien zeigt das Land ein weiteres Mal seine Weltoffenheit. Solche emotionalen Großereignisse haben immer eine Wirkung auf den Tourismus und erzeugen nachhaltige Aufmerksamkeit. Allein zum ESC werden mehr als 500.000 Besucher vor Ort erwartet.
Das Motto auf der ITB war „The Austrian Synapse“. Mit dieser Imagekampagne wollen die Touristiker auf die emotionalen Erlebnisse in Österreich aufmerksam machen, auf Echtheit und Vielfalt. Sie ist vor allem international ausgerichtet, verbindet Kulinarik, Kultur, Natur und zahlreiche Events über das ganze Jahr.
Fotos: Sylvia Acksteiner, Titel: Mario Zeidler
FOTO – GALERIE
VON MARIO ZEIDLER























