Die Kulturbrauerei in Berlin Prenzlauer Berg feiert 35. Jubiläum
Von Ronald Keusch
Ein einzigartiges Markenzeichen der Kulturstadt Berlin feiert in diesem Jahr sein 35. Gründungs-Jubiläum – die Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg. Der Tourismusverein Berlin-Pankow mit seinem Vorsitzenden Max E. Neumann, der zur Kulturbrauerei e.V. gehört und dessen Verein auf dem Gelände eine Touristen-Information betreibt, hat die Reisejournalisten von CTOUR zu einem Medientreff eingeladen. Das immerhin 25.000 (!) Quadratmeter große Bau-Ensemble mit sechs Höfen und mehr als 20 Gebäuden, gehört noch zu den wenigen gut erhaltenen Industrie-Architekturdenkmälern aus dem Berlin Ende des 19. Jahrhunderts. Hier warten auf die Journalisten eine Reihe spannender Geschichten.
Kleiner Bierausschank am Rande der Stadt
Angefangen hat alles schon Mitte des 19. Jahrhunderts in der Schönhauser Allee.

Damals fuhren die Berliner mit der Pferdekutsche hierher zu einem Ausflug ins Grüne, vorbei an Kartoffel- und Getreidefeldern immer recht steil bergan auf den Prenzlauer Berg.
Zu jener Zeit hat Jobst Schultheiss – damals noch am Rande der Stadt – einen kleiner Bierausschank betrieben, sein Erfolgsrezept war das untergärige Bier. Der Name bleibt, als aus dem Kleinbetrieb später eine industriell arbeitende Großbrauerei erwächst. Nach Plänen des Architekten Franz Heinrich Schwechten wurde die Brauerei ab 1878 aus- und umgebaut und es entstand ein beeindruckendes Ensemble, das eher an eine mittelalterliche Burg als einen Industriebetrieb erinnert. Schwechten wird später dann auch die Gedächtniskirche entwerfen.


In der ehemaligen Lagerhalle befindet sich heute ein Groß-Kino
Wo heute am Haupteingang der Kulturbrauerei der Frannz-Club residiert, wurde – auch nach Plänen von Schwechten – ein repräsentativer Ausschank eingerichtet, mit einem großen grünen Biergarten unter schönen Linden. Sein Turm an der Schönhauser Allee wurde von den Berlinern bald „Bierkirche“ genannt.
Attraktiver Auftrittsort für Künstler
Die Gebäude überstanden relativ unbeschadet den Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten wurde nur noch bis 1967 gebraut und dann einige Gebäude als Möbellager genutzt. Im Restaurationsgebäude der Brauerei wurde damals zunächst das Kreiskulturhaus „Erich Franz“ eingerichtet, benannt nach einem Schauspieler am Brecht-Theater, und im Jahr 1970 dann der Jugendclub „Franz“, Vorgänger des heutigen Clubs „Frannz“.
Nach der politischen Wende 1989 stellte die staatliche Treuhand Liegenschaftsgesellschaft TLG nach zwei gescheiterten Privatisierungsversuchen die Summe von 100 Millionen D-Mark für die Sanierung und Rekonstruktion des maroden Industriedenkmals zur Verfügung. Damit schuf man eine stabile Grundlage für die heutige Existenz dieser in Deutschland einmaligen Kulturbrauerei.
„Viele Künstler, vor allem Theatermacher und Musiker, konnten sich hier einen attraktiven Auftrittsort schaffen“,
so die Einschätzung von Max E. Neumann vom Pankower Tourismusverein. „Aus dem Charme dieses Konzeptes entstand hier an der Schönhauser Allee in kurzer Zeit ein innovativer Mix aus kreativen Dienstleistern und vielfältigen Kulturangeboten für die Berliner wie für Touristen.“
Kesselhaus mit bis zu 450 Produktionen im Jahr
Das große Gelände der Kulturbrauerei ist heute ein Ort von Begegnungen in Clubs, im Kino, bei Konzerten, in Theater-, Tanz- und Musikschulen und bei den zahlreichen Events. Die Zahl von 2.000 Veranstaltungen in der gesamten Kulturbrauerei mit etwa 1,5 bis 2 Millionen Besuchern pro Jahr spricht für sich.

Zwei der Leuchttürme sind zweifellos das Kesselhaus in der Kulturbrauerei, ein multifunktionaler Veranstaltungsort
für alle Künste, mit dem Schwerpunkt Musik und gleich daneben liegend das Maschinenhaus, ebenfalls ein Veranstaltungsort.

„Allein im Kesselhaus laufen 400 bis 450 Produktionen im Jahr, die mehr als 200.000 Besucher anlocken“,
so der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft beider Veranstaltungsorte Sören Birke. „Entscheidend sind allerdings nicht zuallererst die Zahlen, sondern wir konnten auch den Nachweis erbringen: Es ist nicht nur schön, Kulturangebote zu haben, sondern wir haben auch wirtschaftlichen Erfolg und schaffen Arbeitsplätze.“
Gäste aus der ganzen Welt
Das Publikum für das Kesselhaus und das Maschinenhaus kommt aus allen Stadtteilen Berlins und nicht allein vom Prenzlauer Berg oder dem Ostteil der Stadt, wie Sören Birke hervorhebt.
„Darüber hinaus haben wir Gäste aus der ganzen Welt, mindestens ein Fünftel sind bei uns internationale Besucher.“
Aus dem früheren Kiezprojekt ist ein anerkannter Hotspot und Spiegelbild kultureller Vielfalt in Berlin geworden.
Berlin on Bike, Poesie und Alltag in der DDR
Überall auf dem Gelände der Kulturbrauerei gibt es etwas zu entdecken. Dazu zählt zweifellos eine große Ansammlung von Fahrrädern,
alle versehen mit dem Schild „Berlin on Bike“.
So lautet das Firmenlogo eines Fahrradverleihs, der sogar zu den drei größten Unternehmen dieser Art in Berlin zählt und wöchentlich über 50 geführte Fahrradtouren anbietet.

Die ehemalige Schlosserei und Tischlerei der Brauerei wurde

zum „Haus für Poesie“, das auf jährlich rund 150 Veranstaltungen Autorinnen und Autoren aus aller Welt präsentiert.
Und in der ehemaligen Garage und Schmiede zeigt das Museum in der Kulturbrauerei die Ausstellung „Alltag in der DDR“.
Der Eintritt ist frei.

Weihnachtsmarkt in historischer Kulisse
Schon zu einer guten Berliner Tradition gehört seit vielen Jahren, dass sich umgeben von dem historischen Bauensemble der Kulturbrauerei ein Weihnachtsmarkt etabliert hat. In der Adventzeit vom 23. November bis zum 22. Dezember empfängt der Lucia-Weihnachtsmarkt mit seinen Attraktionen und typisch nordischen Spezialitäten. Dazu zählen ein kleines Kinder- und nostalgisches Kettenkarussell und eine kleine Ritterburg mit Armbrustschießen. Zwischen Elch-Bratwurst, Köttbullar, Flammlachs, Stockbrot und Glögg besucht auch der Weihnachtsmann den Markt. Zum Jahreswechsel wird dann die schon legendäre Silvesterparty auf dem gesamten Gelände der Kulturbrauerei ausgerichtet.
Tradition und moderne Clubkultur
Von den insgesamt 40 Mietern mit ihren Veranstaltungsprogram-

men nimmt der Frannz-Club ebenfalls einen herausragenden Platz ein.
Der Frannz-Club verbindet Berliner Geschichte mit moderner Clubkultur.
Einst Teil der Schultheiss-Brauerei und später legendärer Jugendklub der DDR, ist er heute ein angesagter Treffpunkt. In seinen historischen Gemäuern der Kulturbrauerei treffen Livemusik, Partys, Lesungen und Tanzkurse auf köstliche Berliner Crossover-Küche.
Vielfalt im Biergarten vom Frannz-Club
Ein Geheimtipp für Touristen ist der lauschige Biergarten vom Frannz-Club, ein gemütlicher Platz mit viel Schatten unter hohen Bäumen. Auch der Biergarten kennt eine Wendegeschichte. In den 90er Jahren scheiterte ein Unternehmen daran, hier einen bayrischen Biergarten im Prenzlauer Berg einzurichten. Auch die Berliner Kindl-Schultheiss-Brauerei hat hier keinen Zapfhahn einrichten können. Dafür ist seit vielen Jahren die kleine Hausbrauerei Hops & Barley aus Berlin-Friedrichshain sehr gefragt, die seit 2008 ihr Bier in der Nähe des Boxhagener Platzes braut. Für diese Brauerei ist ebenfalls Vielfalt wichtig mit dem Ausprobieren verschiedener Hopfensorten – eine Kombination aus traditioneller Braukunst und innovativer Bierstile. Mit dieser Philosophie passen die Biersorten der Brauerei Hops & Barley hervorragend in das Profil des Frannz-Clubs und der Kulturbrauerei.

https://www.kulturbrauerei.de/
https://tourismuspankow.berlin/
Fotos: Ronald Keusch
