„NACHHALTIGKEIT MUSS MAN SICH LEISTEN KÖNNEN“

Von Fred Hafner

Ob Eiskugel, E-Auto oder grüne Minze – heutzutage ist alles „nachhaltig“.
Warum für die Schweiz Nachhaltigkeit kein Modewort ist.
Und wie Tourismusunternehmen im Alpenland weiter an Energieeffizienz arbeiten

Was haben eine Eiskugel, ein E-Auto, ein Notizbuch, ein Computer und grüne Minze gemeinsam? Sie sind – zumindest nach Meinung ihrer Hersteller – oft „nachhaltig“ produziert. Das Wort Nachhaltigkeit inflationiert. Heutzutage ist alles nachhaltig.

Der Begriff ist Stichwort, Modewort, Reizwort.

Als Stichwort ist jedem vernünftigen Menschen inzwischen klar, dass heutige Generationen Ressourcen schonen müssen, um künftigen Erdenbürgern weiter ein gesundes Leben auf diesem Planeten zu ermöglichen. Unternehmen haben längst verinnerlicht, dass ihre Produkte ohne das Label „Nachhaltigkeit“ kaum noch verkauft werden können.

Danach wird es schon schwieriger: Als Modewort kommt Nachhaltigkeit daher, wenn Unternehmen und Privatpersonen grünes Engagement nur vortäuschen – sei es aus Imagegründen und/oder um höhere Preise durchzusetzen. Das ist inzwischen sogar so oft der Fall, dass mit „Greenwashing“ ein eigener Begriff dafür erfunden wurde. 

Und zur Ehrlichkeit gehört, dass Nachhaltigkeit auch ein Reizwort ist. Denn grünes Engagement und Verhalten kostet erst einmal (viel) Geld. Für Unternehmen ist eine „grüne“ Rendite oft in weiter Ferne – und häufig keineswegs sicher. Und Privatpersonen können sich Nachhaltigkeit manchmal schlicht nicht leisten. 

Die traditionelle Schweiz hat auch beim Thema Nachhaltigkeit einen Vorteil. Der Begriff prägt das Alpenland – bedingt durch seine Geografie – schon seit Jahrzehnten. Sei es durch die intensive Nutzung der Wasserkraft, durch das hohe Umweltbewusstsein der Bevölkerung oder durch den frühen und flächendeckenden Ausbau des öffentlichen Verkehrs bereits in den 1970er Jahren.

Zug der Jungfraubahnen in Kleine Scheidegg, letzte Umsteigestation auf dem Weg zum höchsten Bahnhof Europas, dem Jungfraujoch (3454 Meter ü.M.)

Allerdings: Wer heute als Gast speziell nach nachhaltigen Angeboten sucht, ist auch in der Schweiz wie anderswo auf der Welt im bestehenden Dschungel von Labels verloren. 

Dem wollen Schweiz Tourismus sowie der Schweizer Tourismus Verband (STV) mit „Swisstainable“ entgegenwirken. Das Wort setzt sich aus den Begriffen Switzerland und Sustainable (deutsch: nachhaltig) zusammen. Dieses Nachhaltigkeitsprogramm schafft glücklicherweise keine neue Zertifizierung! Vielmehr will es bei Gästen und Urlaubern für Orientierung sorgen. Gleichzeitig will der STV eine Bewegung ins Leben rufen, an der die gesamte Branche teilnehmen kann. Swisstainable steht deshalb allen Betrieben des Schweizer Tourismus offen – egal ob bereits umfassende Nachhaltigkeitszertifizierungen vorliegen oder der Betrieb sich gerade erst auf den Weg macht. Die Angebote werden nach drei Leveln klassifiziert und mit einem Signet ausgezeichnet:

Level 1 – committed
Betriebe bekennen sich zu einer nachhaltigen Unternehmensführung und entwickeln ihren Betrieb laufend in Richtung Nachhaltigkeit weiter.

Level 2 – engaged
Diese Betriebe verfügen bereits über einen anerkannten Nachweis in mindestens einer Nachhaltigkeitsdimension.

Level 3 – leading
Betriebe auf Level 3 verfügen über einen umfassenden, anerkannten Nachhaltigkeitsnachweis, der alle Dimensionen der Nachhaltigkeit abdeckt und regelmässig extern überprüft wird.

Konkret geht es der Schweiz im Tourismus immer um: nachhaltiges Übernachten, nachhaltige Gastronomie, nachhaltige Beförderung.

Auf einer Rundreise erlebten wir quer durch alle Branchen zahlreiche Beispiele für eine grundsätzliche Trendumkehr hin zu umweltgerechtem Urlaub: auf Wasser und Schienen, in Hotels und Restaurants, in Kraftwerken und Museen, auf Bergen und in der Ebene.

1. Grandhotel Giessbach am Brienzer See (Level 2)

Das Grandhotel Giessbach erhebt sich wie ein Märchenschloss aus der Belle Époque.

Hier wird Nachhaltigkeit gelebt: Einerseits wird der Strom fürs Hotel aus Wasserkraft gewonnen, andererseits verarbeitet die Küche des Restaurants saisonale Früchte, Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Garten.

Das Hotel besticht mit seinem großartigen Ausblick auf den Brienzersee und den 14 Kaskaden des Giessbachs.

Besonders schön (und wieder umweltfreundlich) ist die Anfahrt zum Grandhotel per Schiff und anschließender Fahrt mit der ältesten Standseilbahn Europas.

„Nachhaltigkeit ist in unserem genetischen Code“,

sagt Gastgeberin und Hotelchefin Vera Weber, Tochter des in der Schweiz berühmten Franz Weber. Er rettete in den 1980er Jahren das Giessbach-Hotel vor dem Abriss. 1875 wurde das Giessbach-Hotel im Louvre-Stil eröffnet, 1883 brannte es ab, 1884 entstand es im Schweizer Holzstil neu.

Hier traf sich seither die „Creme de la Creme“ Europas: neben gutbetuchten Schweizern und Deutschen, vor allem Russen, Franzosen, Engländer. Dazu zahlreiche Staatschefs.

75 Zimmer gibt es heute, alle liebevoll saniert und mit historischen Möbeln ausgestattet. Das Hotel ist ganzjährig geöffnet, die saisonal 60 bis 120 Beschäftigten lesen ihren Gästen jeden Wunsch von den Augen ab. Die Doppelzimmer kosten zwischen 200 und 800 Euro.
Tipp: Wer direkt bucht, bekommt den „Nostalgie-Pass“ gratis dazu. Mit ihm ist u.a. eine Fahrt mit der (kostenintensiven) Brienz-Rothorn-Bahn kostenlos.

Das Giessbach-Hotel ist lebendiger Beweis, dass auch alte Häuser nachhaltig sein können. 

2. Die Jungfraubahnen (Level 3)

Die Jungfrau ist neben Eiger und Mönch Sehnsuchtsgipfel und Inbegriff der Schweiz. Schließlich möchte jeder einmal auf dem höchsten Bahnhof Europas (3454 Meter ü.M.), dem Jungfraujoch, stehen. Mit dem Eiger-Express funktioniert die Anreise jetzt nicht nur 47 Minuten schneller als mit der Zahnradbahn über Kleine Scheidegg. Vor allem haben die Jungfraubahnen damit das modernste Bahnprojekt im Alpenraum realisiert. Es vereint technische Innovation und Rücksicht auf die Umwelt. Die weltweit modernste Kabinenseilbahn kombiniert den Transport von Personen und Gütern in einzigartiger Weise. Sie braucht dank der Dreiseil-Technologie („3-S-Bahn“) auf knapp sieben Kilometer Länge lediglich sieben Stützen – weshalb keine Waldschneise geschlagen werden musste.

In Lütschental betreiben die Jungfraubahnen ein eigenes Wasserkraftwerk mit zwei Maschinen (heute 12 MegaWatt) zur Stromerzeugung. Gebaut wurde es bereits 1908. Schon die historische Jungfraubahn bezog daher ihren Strom.

Längst geht die Entwicklung weiter: Der gesamte Betrieb der Jungfraubahnen (insgesamt fünf Bahnen: Jungfraubahn, die Schynige Platte Bahn, die Berner Oberland Bahn, die Wengernalpbahn und die Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren) sowie die Gemeinden Lütschental, Gündlischwand, Zweilütschinen und Burglauenen und dazu noch zahlreiche Anlagen und Gebäude werden vollständig mit erneuerbarem Strom versorgt.

Mehrere Eisen- und Seilbahnen speisen Bremsstrom zurück ins Netz. Und das Grindelwald Terminal ist an den lokalen Fernwärmeverbund angeschlossen. Nachhaltiger geht es kaum.

3. Restaurant Salzano, Interlaken

Seit über zehn Jahren bietet Familie Salzano in ihrem charmanten, erfolgreichen Hotel nahe Interlaken eine „naturnahe Erlebnisküche“.Dafür ist Küchenchef Jan-Philipp Wesemann zuständig. Seine kleine „Küchenbrigade“ zaubert am Herd nicht nur ein anspruchsvolles Menü mit bis zu sieben Gängen, sondern auch A-la-carte-Gerichte. Verarbeitet werden nur regionale Lebensmittel, vieles kommt aus dem hoteleigenen Garten. So wird etwa das Appenzeller Kräuterlamm geschmackvoll als geschmorte Backe und als Kotelett serviert. Auch Vegetarier erleben komplett neue Geschmacksnuancen. Das Salzano bietet ein kulinarisches Erlebnis auf höchstem und vor allem nachhaltigem Niveau. „Wir versuchen ständig neue Gerichte aus heimischen Produkten auf den Teller zu bringen.

„Wir versuchen ständig neue Gerichte aus heimischen Produkten auf den Teller zu bringen.

Die Reaktionen unserer Gäste sind oft erstaunlich, breitgefächert und nicht immer nur positiv“, gibt Geschäftsführerin Sonja Salzano-Brand preis. „Aber fast alle kommen wieder!“

4. Zentralbahn (Level 1)

Die Zentralbahn verkehrt auf eigenem Streckennetz zwischen Luzern und Engelberg bzw. Interlaken. Sie erschliesst das touristisch attraktive Dreieck Luzern, Engelberg-Titlis und Interlaken. Zudem betreibt sie die Strecke Meiringen–Innertkirchen. Die Zentralbahn ist neues Mitglied des Nachhaltigkeitsprogramms Swisstainable. Sie befördert zehn Millionen Gäste jährlich. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr belaufen sich auf 40 Millionen Franken pro Jahr.

Auf der Fahrt mit dem Luzern-Interlaken-Express berichtet Estelle Grassler von Swiss Travel System, dass sich in der Schweiz unter anderem 460 Bahnunternehmen, 140 Postbuslinien und rund 25 Schifffahrtsgesellschaften dem SwissPass angeschlossen haben! Mit dem Pass haben ausländische Touristen landesweit freie Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr (Bahn, Bus, Schiff) sowie freien Eintritt in 500 Museen. Und das nachhaltig: So fahren die Züge der größten Bahngesellschaft, der SBB, zu 90 Prozent mit Wasserkraft, die der größten Privatbahn BLS sogar mit 100 Prozent! Allein die SBB betreibt sieben Wasserkraftwerke.

5. Schifffahrt-Gesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) (Level 2)

Die SGV ist die größte Schifffahrtsgesellschaft der Schweiz.

Die Basis und Werft der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee direkt neben dem Bahnhof von Luzern. Kurze Wege zur Anlegestelle sind garantiert

Bereits seit Jahren macht sie ihre Schiffe energieeffizienter. Das zeigt sich nicht nur bei neu beschafften Schiffen, sondern auch in der umsichtigen Aufwertung der bestehenden, teils historischen Flotte. So wurde im vergangenen Winter 2023/24 das Motorschiff Rütli für eine Million Franken (!) elektrifiziert. Dabei wurde der Dieselmotor des Motorschiffs durch einen leistungsstarken Elektromotor ersetzt. Das Schiff ist ab Mai 2024 im Regelbetrieb im Einsatz. 

„Jährlich verbrauchen unsere Schiffe rund 2,5 Millionen Liter Diesel. Die Entscheidung, das Motorschiff Rütli zu elektrifizieren, ist bewusst gewählt.  Als leichtestes Schiff der Flotte und für den Einsatz auf kürzeren Fahrten als Spazier- und Stadtschiff eignet es sich optimal für den Elektroantrieb“, erläutert SGV-Marketingchef Werner Lüönd. Daneben setzt die SGV bereits seit längerem zwei Hybridschiffe ein. Die „MS Diamant“ war bereits 2017 das erste klimaneutrale Schiff der Schweiz. 2018 folgte die „MS Bürgenstock“.

Das Hybridschiff „MS Bürgenstock“ der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV) vor der malerischen Kulisse Luzerns

19 Schiffe hat die SGV insgesamt im Einsatz. Drei Millionen Passagiere nutzen sie jährlich. Damit ist diese Schifffahrtsgesellschaft wichtiger Teil des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz.

Die Nachhaltigkeit geht weiter: 2026 will die SGV als erste ein mit grünem Wasserstoff betriebenes Schiff einsetzen. Dafür wird die „MS Saphir“ umgebaut. Das Schiff kostete einmal 7 Mio Schweizer Franken, allein der Umbau auf Wasserstoff wird weitere 5 Mio benötigen. Lüönd ist ein sympathischer Pragmatiker, wenn er sagt:

„Wir wissen nicht, ob wir das Geld je wieder einfahren. Aber dieses Engagement ist uns sehr wichtig. Zur Ehrlichkeit gehört:  Nachhaltigkeit muss man sich leisten können.“

6. Culinarium Alpinum (Level 2)

Im ehemaligen Kapuzinerkloster in Stans im Kanton Nidwalden dreht sich alles um die Vielfalt des Alpenraums. Kochkünstler und Schnapsbrenner, Bauern und Metzger, Sommeliers und Verkoster, Käseprofis und Bäckermeister arbeiten hier gemeinsam, um die Kulinarik der Alpen zu erhalten. Mit Kursen und Seminaren, mit Produkten und Rezepten und vor allem mit einer Gastronomie, die das kulinarische Erbe der Alpen fortführt. Das ist gelebte Nachhaltigkeit. Falls der Alpenraum so etwas wie ein kulinarisches Erbe hat, hat es im „Culinarium Alpinum“ eine Heimat.

Culinarium Alpinum

Im Restaurant wird mit authentischen und unverfälschten regionalen Produkten aus der Innerschweiz gearbeitet, vorzugsweise mit Produkten aus Bioanbau, erweitert mit Produkten aus dem kulinarischen Alpenraum. Im Klosterladen können viele der Erzeugnisse zum Mitnehmen gekauft werden. Hier gibt es auch eine Vielzahl heimischer Kräuter. Wer im Restaurant die Weinkarte bestellt, wird in die begehbare Vinothek geführt. Dort sucht sich der Gast einen edlen – natürlich wieder einheimischen – Tropfen aus. Angeschlossen ist ein Reifekeller, in dem Alpsbrinz-Käse bis zu zehn Jahre reift! Der Alpsbrinz wird ausschließlich auf den Alpen rund um Nid- und Obwalden aus der Milch der Kühe hergestellt, die im Sommer auf den Alpen grasen. Angeboten werden Führungen im heimischen Klostergarten.

„Das ist ein Rundgang durch eine essbare Landschaft. Mit unseren rund 250 verschiedenen Obst- und Beerensorten sowie dem außergewöhnlichen Kräutergarten bieten wir hier Einzigartiges in der gesamten Schweiz“,

erklärt Gastgeber Peter Durrer. Er leitet das Culinarium Alpinum, das sich über eine Stiftung finanziert. Sie hat bis heute 14 Millionen Franken in das ehemalige Kloster investiert. 

Das Kloster verfügt über 14 stilvoll renovierte Zimmer „in hochwertiger, klösterlicher Einfachheit“, wie es Durrer ausdrückt. Der Clou: Wo in normalen Hotels ein TV an der Wand hängt, gibt es hier in allen Zimmern ein hochwertiges Fernglas. Denn alle Zimmer haben Blick auf das Buochserhorn und die „essbare Landschaft“. Boxspringbetten und Holzfußboden komplettieren die Wertigkeit der Unterkunft. Einzelzimmer kosten derzeit 170 bis 210 Franken, Doppelzimmer 230 bis 300. 

7. Verkehrshaus Luzern (Level 1)

Das Verkehrshaus Luzern ist das meistbesuchte Museum der Schweiz. Jährlich werden hier eine Million Tickets verkauft. Besucher entdecken Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Mobilität.

Viele interaktive Attraktionen erwecken die Themenbereiche Straße, Schiene, Wasser, Luft und Weltall zum Leben. Ein großer Freiluftbereich mit Spielmöglichkeiten für Kinder, ein Kino, ein Planetarium sowie die Erlebniswelt Media World ergänzen das einzigartige Erlebnis.

Die interaktive Ausstellung „Experience Energy“ zeigt Nachhaltigkeit in allen Facetten. Man lernt die verschiedenen Energieformen kennen, beobachtet ihre Nutzung im Alltag und wirft einen Blick in die Energiezukunft 2050. Das Beste: Als verlängerter Arm der Ausstellung ist seit Herbst 2023 ein elektrisch betriebener Truck auf Roadshow in der gesamten Schweiz unterwegs. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Luzern bringt das Verkehrshaus darin Klimawandel, Klimaschutz sowie Mobilität durch erneuerbare Energien der Schweizer Bevölkerung überall im Land näher. 

Vom Verkehrshaus Luzern sind ganze Schulklassen fasziniert. Allein 3.000 von ihnen kommen jährlich in das einzigartige Museum und lernen dabei viel über den Umgang mit Energie für ihre Zukunft.

Das Verkehrshaus erfindet sich ständig neu. Es beherbergt aktuell 3.000 Exponate. Sie machen aber nur 1/3 der gesamten Sammlung aus. Alle paar Wochen werden Ausstellungsstücke – Lokomotiven, Wagen, Autos, Schiffe – komplett getauscht. Das reizt zum mehrmaligen Besuch. 

Das Verkehrshaus Luzern stellt ständig 3.000 Exponate um die Themen Straße, Schiene, Wasser, Luft und Weltall aus. Ein großer Freiluftbereich mit Spielmöglichkeiten für Kinder, ein Kino, ein Planetarium sowie die Erlebniswelt Media World ergänzen das einzigartige Erlebnis.

8. Rigi-Bahnen (Level 3)

Die Rigi-Bahnen sind einer der größten nachhaltigen Unternehmen in der Schweiz. Das beginnt schon bei der Anreise: Über 70 Prozent der Gäste kommen mit dem öffentlichen Verkehr, also mit Bahnen, Bussen oder Schiffen. Über Vitznau, Weggis oder Arth-Goldau gelangen sie dann auf die sogenannte „Königin der Berge“. Für die Gastronomie- und Hotelbetriebe auf dem Berg befördern die Rigi-Bahnen Lebensmittel kostenlos, der Müll wird ebenfalls kostenlos wieder hinuntergefahren.

Die Rigi-Bahnen engagieren sich für Artenvielfalt auf den Wiesen und Alpen rund um den Berg. Auf der Rigi wohnen 130 Menschen. Deren Kinder müssen nun nicht mehr täglich zum Unterricht ins Tal und nachmittags wieder hinauffahren. Denn für sie wurde oben extra eine eigene Schule eingerichtet. Die Kinder werden so in der Natur und sogar in einer Jurte unterrichtet.

Die Rigi-Bahnen fahren zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien. Fahrzeuge der neuen Generation speisen ihre Bremsenergie ins Netz zurück und machen sie für bergauf fahrende Züge nutzbar. Das Bahnhofsgebäude in Vitznau hat eine Photovoltaikanlage erhalten. Jährlich vermeiden die Rigi-Bahnen mit der hier installierten Anlage rund 18.500 kg CO2- Emissionen. Das sanierte Dach beim Berghaus Rigi Staffel hat Ende 2020 ebenfalls eine Photovoltaikanlage erhalten.

Die Anlage auf dem Rigi Kulm Hotel war eine der ersten mit Solardachziegeln. Das Verwaltungsgebäude und das Depot der Rigi-Bahnen in Vitznau werden seit Winter 2022/23 klimaneutral mit Seewasser beheizt oder gekühlt. Auf Rigi First entsteht eine neue Käserei, damit die Milch zur Verarbeitung nicht mehr ins Tal gefahren werden muss. Schließlich: Rund um den Rigi-Berg gibt es elf autofreie Tourismusorte. Dafür fahren kleine Elektrobusse.

9. Schweizerische Südostbahn

Die Schweizerische Südostbahn (SOB) verbindet mit dem Voralpen-Express die historische Klosterstadt St. Gallen mit Luzern am Vierwaldstättersee. Sie gilt als schönste Verbindung von Natur und Kultur im Alpenland. Die kupferfarbenen Züge sind nicht nur von außen ein Blickfang. Sie bieten eine komfortable Reise mit modernem, hellem Raumkonzept und großen Fenstern. Zwei Bistros mit Getränke- und Snackautomaten, Steckdosen an allen Sitzplätzen und ein Familienabteil komplettieren das Angebot. 

Die SOB-Züge sind komfortabel und gegenüber dem Pkw sehr attraktiv

Die SOB ist ein großes, eigenständiges Bahnunternehmen der Schweiz. Sie unterhält ein eigenes 111 Kilometer langes Schienennetz. Jährlich werden 30 Millionen Fahrgäste im Regional- und Fernverkehr befördert. Über 1000 Mitarbeiter beschäftigt die SOB. Sie bietet für ihre Linien das ganze Jahr über attraktive Kombinationsangebote für Bahnreisen und Freizeiterlebnisse an und ist damit sehr attraktiv gegenüber dem Pkw-Verkehr. Die Angebote sind über die SOB-Webseite buchbar. Auch die für Schweiz-Besucher attraktiven Swiss Travel Pässe sind in allen Zügen der SOB gültig.

Die SOB will ihre Züge künftig flexibler nutzbar machen. Dafür testet sie in einem Pilotprojekt gerade sogenannte konfigurierbare Abteile getestet. In ihnen kann man aus Sitzplätzen rasch Gepäckflächen machen. Die Abteile wurden zusammen mit den Fahrgästen entwickelt. „Wir möchten unseren Reisenden genügend Velo- und Gepäckflächen zur Verfügung stellen, doch die Platzbedürfnisse verändern sich je nach Uhrzeit, Wochentag oder Saison. Die Innenausstattung unserer Züge ändert sich jedoch bisher nicht“, begründet SOB-Sprecher Conradin Knabenhans das Pilotprojekt.

„Der Raum ist da, aber der Platz fehlt“,

sagt Christian Keller, Ingenieur und Industriedesigner der Firma „Erfindergeist“ aus Rorschacherberg. Seine Firma hat ein flexibles Abteil für den Fahrgastraum entwickelt. Es lässt sich jederzeit anpassen. Ein klassisches Viererabteil kann so von Bahnmitarbeitern mit wenigen Handgriffen zu Stellflächen für Fahrräder und Gepäck umgewandelt werden. Anders als bei Klappsitzen entsteht kein Nutzungskonflikt unter den Reisenden, weil die weggeschwenkten Sitze für die Fahrgäste nicht mehr als Sitzplätze erkennbar und verfügbar sind. 1,4 Millionen Franken kostet der Pilot, der von der SOB finanziert und vom Schweizer Bundesamt für Verkehr gefördert wird. Die SOB hofft auf weitere Interessenten, um die Kosten senken zu können. 

Die SOB spart Energie auf vielen Gebieten. Enorme Effekte erzielt sie inzwischen dank dem „energiearmen Schlummerbetrieb“ in Zugwartezeiten. Auch energiesparende Komponenten wie ein sogenannter „Trockentransformator“ sowie eine bessere Isolation der Wagenkästen zeigen Wirkung. Weiter werden die Antriebssysteme der Züge optimiert. Bei der Klimatisierung bewirkt etwa eine von der Zahl der Fahrgäste abhängige Außenluftsteuerung inzwischen eine bessere Energiebilanz. Markante Spareffekte bringen auch die elektrische Rekuperationsbremse zum Rückgewinnen von Energie sowie das energiesparende Fahren. 

FAZIT: Unsere Rundreise zeigt, dass Nachhaltigkeit in der Schweiz kein Modewort sondern vielmehr seit Jahrzehnten „Teil der DNA“ des Landes und seiner Bewohner ist. Allerdings: Um höhere Aufwendungen für noch mehr Energieeffizienz in der Zukunft kommen auch die Unternehmen und Privatleute in unserem Nachbarland nicht herum. Ehrlichkeit entscheidet, Floskeln sind out.

Fotos: Fred Hafner

INFORMATIONEN UND NÜTZLICHE LINKS

Swiss Travel Pass 
Mit einem einzigen Fahrausweis können Reisende 3, 4, 6, 8 oder 15 Tage lang die gesamte Schweiz mit Bahn, Bus und Schiff erkunden. Inbegriffen sind auch die weltberühmten Panoramastrecken, freier Eintritt in über 500 Museen und 50% Ermässigung bei den meisten Bergbahnen. 
mystsnet.com/swisstravelpass 

Grand Train Tour
Die Grand Train Tour of Switzerland vereint die schönsten Panoramastrecken zu einer einmaligen 1.280 Kilometer langen Route. Es gibt keine festgelegte Richtung oder Dauer. In die Grand Train Tour sind auch alle Premium-Panorama-Züge integriert. Es gibt eine eigene Grand Train Tour App zum kostenlosen Download, die mit interaktiven Karten, Fahrplan- und Tarifinformationen, GPS Tracking, einem mehrsprachigen Audioguide sowie Buchungsfunktion bei der Reiseplanung hilft. Ein bequemer Tür-zu-Tür-Service, der das Gepäck von einem Hotel in das nächste bringt, kann auf zahlreichen Strecken dazu gebucht werden. Die GToS umfasst 8 Etappen, führt an 11 Seen entlang, durch 4 Sprachregionen und an 5 UNESCO-Welterbestätten vorbei. Und sie kann mit 21 Bergausflügen kombiniert werden.
https://www.myswitzerland.com/de-de/erlebnisse/erlebnisfahrten/bahn-bus-schiff-grand-train-tour/grand-train-tour-of-switzerland

Alle touristischen Schweiz-Infos hier:

www.MySwitzerland.com

Unternehmenslinks und deren Nachhaltigkeitsprojekte:

https://www.stv-fst.ch

https://www.myswitzerland.com/de-ch/planung/ueber-die-schweiz/nachhaltigkeit

https://giessbach.ch

https://www.jungfrau.ch/de-ch

www.salzano.ch

https://www.zentralbahn.ch/de

https://www.lakelucerne.ch/de

www.culinarium-alpinum.com

https://www.verkehrshaus.ch

https://www.rigi.ch

https://www.sob.ch

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