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Ctour on Tour: Die Azoren – mehr als nur ein Wetterfaktor

Das Azorenhoch, nahezu jedem bekannt, spielt eine nicht unbedeutende Rolle für das Wetter in Mitteleuropa. Doch wo genau liegen die Azoren, welchen Reichtum an Fauna und Flora bieten sie und wie wirkt sich das auf den Tourismus und die gesamte Wirtschaft aus? Welche Anforderungen resultieren daraus wiederum u. a. auch an die Verkehrsinfrastruktur unter Berücksichtigung der schwierigen geografischen Besonderheiten? Die Inselgruppe der Azoren, neun Inseln an der Zahl und zu Portugal gehörend, liegt nahezu auf halbem Weg zwischen dem westlichsten Punkt Festland-Europas und dem östlichsten Küstenstreifen Nordamerikas.  Dabei gehören die beiden westlichsten Inseln Corvo und Flores tektonisch bereits zu Nordamerika, die anderen Inseln noch zu Europa.

Die Azoren werden gern als Paradies für Naturliebhaber bezeichnet. Der Golfstrom bestimmt zwar das ganzjährig milde Klima, dieses gestaltet sich jedoch recht wechselhaft. Besagtes Azorenhoch bildet sich zwar hier, verbleibt in der Regel jedoch nur einen Tag über der Inselgruppe, bevor es nach Europa weiter zieht und Tiefdruckgebieten Platz macht. So wechseln sich Sonne und Regen gern in schneller Folge ab. Die Natur der Inseln spiegelt das in eindrucksvoller Weise wider. Eine ungeahnte Artenvielfalt , endemische Pflanzen, unberührte Natur und unzählige Kraterseen kennzeichnen die Inselgruppe und locken zunehmend mehr Touristen an.

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Beeindruckende Flora findet sich auf allen Azoreninseln.

Vom Geheimtipp zum Hotspot

Noch Geheimtipp entwickelt sich das Paradies im Atlantik zunehmend zum Touristenhotspot. Wo sonst reicht ein einfacher Wechsel der Insel aus, um sich in einer völlig neuen Region zu wähnen. Jede der neun Inseln entwickelt dabei ihren ganz eigenen Charme und ihre spezifische Besonderheit.

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Speziell als ganzjähriges Wanderziel haben sich die Azoren einen Namen gemacht, aber auch für Wassersportarten, Tauchen und Whale-Watching (als Inselgruppe sind die Azoren ein einzigartiges Meeresschutzgebiet) bestehen beste Voraussetzungen. Der Vulkan Pico auf der gleichnamigen Insel bildet mit einer Höhe von 2.311 Metern die höchste Erhebung Portugals. Und so pilgern von Jahr zu Jahr mehr Touristen auf die Inselgruppe im Atlantik.

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Wanderwege entlang der Küsten bieten oft spektakuläre Ausblicke.

Vernachlässigt man die Kreuzfahrttouristen, so kommt der überwiegende Teil der Besucher auf dem Luftweg auf die Azoren. Aufgrund der speziellen geografischen Lage gibt es Nonstop-Verbindungen sowohl von Ostküstenstädten der USA und Kanada ebenso wie aus westeuropäischen Städten. Darüber hinaus bieten Umsteigeverbindungen via Lissabon und Porto, durchgeführt vor allem von TAP Air Portugal, SATA Air Azores bzw. Azores Airlines ein reichhaltiges Netz an Flugverbindungen auf die Inselgruppe. Wichtigster Flughafen für die Nonstop-Verbindungen ist Ponta del Gada auf Sao Miguel, der geschäftigsten der Azoren-Inseln. Fährverbindungen zwischen Festland-Europa und den Azoren-Inseln gibt es nicht.

Vernachlässigt man die Verkehrsinfrastruktur auf den jeweiligen Inseln, die hauptsächlich von Bussen, Taxis und einer stattlichen Flotte von Mietwagen sichergestellt wird, so bildet der Verkehr zwischen den einzelnen Inseln den interessanteren Aspekt dieser Betrachtung. Atlanticoline, die Fährgesellschaft der Azoren, stellt mir ihrem Netz an Verbindungen zwischen den einzelnen Inseln  einen wichtigen Faktor für die lokale Wirtschaft, die Einheimischen, aber auch für entschleunigte Touristen dar. Aufgrund der wechselnden Witterungsbedingungen kann es jedoch zu Abweichungen vom Fahrplan bis hin zu Streichungen kommen. Somit ist der Flugverkehr zwischen den Inseln nach wie vor  ein unverzichtbarer und wesentlicher Faktor.

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Auch der Flughafen von Flores liegt quasi direkt in der Hauptstadt Santa Cruz, im Hintergrund die Igreja Matriz de Santa Cruz das Flores.

Und hier kommt die SATA Gruppe ins Spiel. Diese verfügt mit ihren Tochtergesellschaften SATA Air Azores und Azores Airlines nicht nur über Fluggesellschaften, sondern betreibt mit SATA Aerodromos aktuell auch die Flughäfen auf Pico, Graciosa, Corvo und Sao Jorge.

Corvo, Insel der Extreme

Von großer Bedeutung für einen reibungslosen Inselflugverkehr sind die Flughäfen, die unter teilweise beträchtlichem Aufwand mühsam dem Gelände abgerungen bzw. in die Inselinfrastruktur eingefügt werden mussten. Oft liegen diese in direkter Nachbarschaft zur Inselhauptstadt (wie z.B. Flores) oder sie durchziehen die Insel von einer Küste zur anderen. Ein besonders spektakuläres Beispiel stellt der Flughafen Corvo  auf der westlichsten gleichnamigen Azoreninsel dar. Die einzige Runway misst in der Länge gerade einmal 800m (30m breit) und stößt damit an beide Küstenlinien. Der Flughafen schmiegt sich direkt an den einzigen Ort der kleinsten der Azoren-Inseln, Isla de Corvo, die insgesamt nur rund 17 Quadratkilometer groß ist insgesamt nur über rund  400 Einwohner verfügt.

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Die Start- und Landebahn des Flughafens von Corvo wird durch beide Küstenlinien begrenzt, sie quert die gesamte Inselbreite.

Nur wenige Touristen verirren sich auf die Insel Corvo (deutsch: Rabe), die mit dem Vulkan Monte Gordo über ein durchaus sehr lohnenswertes Ausflugs- und Wanderziel verfügt. Seine Caldera (Kessel) ist stattliche 2km breit und 300m tief, auf seinem Grund befindet sich der Kratersee  Lagoa do Caldeirão. Der südlich des Kessels gelegene Morro dos Homens (Hügel der Menschen) bildet mit 718 Metern die höchste Erhebung der Insel, deren Küstenlinie mit Ausnahme des Inselsüdens (Airport, einzige Ortschaft) ausschließlich aus Steilklippen besteht. Die restliche Inseloberfläche wird von Viehweiden dominiert,  neben dem Fischfang die Haupteinnahmequelle der wenigen Einwohner. Die Inselinfrastruktur beschränkt sich auf einige wenige Unterkünfte, Mehrzweckgeschäfte, eine Schule, die Feuerwache und eben den Flughafen, der erst im Januar 2005 in eröffnet wurde.

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Der kleine Flughafen von Corvo grenzt unmittelbar an den einzigen Ort der gleichnamigen Insel.

Dessen Betrieb stellt für die Insel in zweierlei Hinsicht eine echte Herausforderung dar. Da ist zum einen der geografische Aspekt: als westlichste der Azoreninseln profitiert Corvo zusammen mit dem unmittelbar benachbarten Flores (nur 15km trennen beide Inseln) am wenigsten vom Azorenhoch. Dafür wird die Insel  häufig von Stürmen bis hin zu Zyklonen heimgesucht, die die ohnehin schwierigen Anflugbedingungen auf die sehr kurze Bahn zusätzlich erschweren und limitieren. Oft kommt es vor, dass kurzfristig zusätzliche Restriktionen bezüglich des Gesamtgewichtes  notwendig werden, die das Abladen von Gepäck bis hin zur weiteren Reduzierung der Passagierzahl erforderlich machen, wie mir Flughafenmanager Marco da Silva vor Ort berichtete. Die Insel, die ohnehin nur von den kleinen Turboprops Dash 8-Q200 angeflogen werden kann und deren Sitzplatzkapazität nie zu 100% verkauft werden darf, muss dann weitere Gäste ungeplant beherbergen. Dies kann, dem Flugplan und Wetter geschuldet, dann auch schon einmal ein paar Tage dauern, sollte auch der Schiffsverkehr zur Nachbarinsel nicht möglich sein.

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Der Fischfang zählt, neben dem Tourismus, zum wichtigen Erwerbszweig der Azoren. Somit landet er auch gern auf dem Tisch von Einheimischen und Touristen.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die personelle Situation auf der Insel. Ein reibungsloser Flugbetrieb erfordert qualifiziertes Personal, sowohl auf dem Tower als auch bei den Bodenverkehrsdiensten bis hin zur Flugzeugabfertigung, dem Check-in und der Feuerwehr. Polizei, Security und Zoll müssen einsatzbereit sein. Dies zu managen, speziell die hoheitlichen Aufgaben zu erfüllen, stelle eine weitere enorme Herausforderung dar, so da Silva. So werden die Polizei- und Sicherheitskräfte auf der Basis einer temporären Abordnung wochenweise von anderen Azoreninseln nach Corvo beordert, um dort Dienst zu tun. Übernachtet wird in bereitgestellten Unterkünften, die örtliche Gastronomie profitiert ebenfalls. Wie mir die Mitarbeiter versicherten, sei dies für sie zwar eine willkommene Abwechslung. Kann aber der geplante Austausch nach einer Woche witterungsbedingt (siehe oben) nicht stattfinden, stelle dies schon eine Belastung dar. Aktuell fliegt die SATA Air Acores von Corvo nach Horta, Flores  sowie Ponta del Gada. Je Tag finden in Summe maximal zwei Flüge statt, außerhalb der Saison an manchen Tagen auch kein einziger.

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Flughafenchef Marco da Silva ist Mädchen für alles. Auf Corvo weist er u.a. auch die Flugzeuge ein.

Und so hoffen nach wie vor die Fluggäste dieser wenigen Flüge inständig, das es  Flughafenchef Marco da Silva, Towerlotsen Línton Câmara  und ihren jeweiligen kleinen Teams ebenso wie der SATA Air Azores  gelingt, sie pünktlich und zuverlässig zur und von der Insel zu bringen.

Bei der Organisation der Reise wurde ich unterstützt von seabreeze.travel, einem Spezialreiseveranstalter u.a. für Portugal und die Azoren. Die Reise wurde von mir bezahlt und die Unterstützung hatte keinen Einfluss auf meinen Bericht.

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Spektakuläre Aussicht auf die Caldeira von Corvo.

Fotos: Lutz Schönfeld

 

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