EIN BESUCH IM HERZEN DES RUMÄNISCHEN BANATS

Von Michael Juhran

CTOUR war dabei, als im Mai 2026 der Erstflug der ungarischen WizzAir vom BER ins rumänische Timisoara startete. Eine kleine Gruppe von Journalisten folgte der Einladung von Visit Timis und hatte die Chance, der Metropole des rumänischen Banats und ihrer näheren Umgebung einen kurzen Besuch abzustatten.

Verabschiedung des Erstfluges von WizzAir nach Timisoara auf dem BER

So herzlich die Verabschiedung in Berlin erfolgte, so gastfreundlich wurden wir auf dem Flughafen in Timisoara mit Brot und Salz empfangen.

Etwas üppiger gestaltete sich unsere erste Begegnung mit der köstlichen Küche des Banats auf dem Platz der Union.

Man schmeckt die Einflüsse unterschiedlicher Länder, die über Jahrhunderte das Schicksal der Stadt bestimmten.

Auf dem Platz der Union sind viele Gebäude aus der k.u.k Zeit erhalten

Ungarn, Österreicher, Serben, Rumänen und nicht zuletzt die Donauschwaben schufen aus der einst sumpfigen Gegend eine fruchtbare Landschaft, die noch heute weite Teile Rumäniens mit Obst, Gemüse, Getreide und Wein versorgt. 2028 wird die Stadt zu einem Zentrum für Genießer, wenn Gäste aus aller Welt Timisoara als „European Region of Gastronomy“ feiern werden.

Mit lokalen Köstlichkeiten locken Restaurants auf dem Platz

Die wechselvolle Geschichte der Stadt spiegelt sich auch in deren Architektur wider. Erstaunlich viele Gebäude aus der k.u.k. Monarchie sind erhalten und ihre Fassaden erstrahlen nach Renovierungen in den letzten Jahren in neuem Glanz.
Die mit EU-Mitteln restaurierten Teile der Maria Theresia Bastion erinnern an die Zeit, als sich weite Teile des Balkans von der osmanischen Besatzung befreit hatten.
Die beeindruckende Kathedrale der Heiligen drei Hierarchen ist den Rumänisch-Orthodoxen Gläubigen im Banat gewidmet.

Eine beeindruckende orthodoxe Kathedrale ist den Rumänisch-Orthodoxen Gläubigen im Banat gewidmet

Eine deutsche Oper und ein deutsches Gymnasium zeigen die Verbundenheit der Stadt mit der Geschichte der deutschen Siedler, die hier im 18. und 19. Jahrhundert eine neue Heimat aufbauten.

Im nahen Banat Freiluftmuseum erfährt der Besucher, dass im 18. und 19. Jahrhundert zwischen 500 und 750 Tausend deutschsprachige Einwanderer aus Franken, Bayern, Österreich, dem Elsass, Lothringen, Luxemburg, Baden und der Rheinpfalz die größte ethnische Gruppe in der Region Timis bildeten und gemeinsam mit Ungarn, Serben, Slowaken, Rumänen, Bulgaren und Ukrainern die Region urbar machten, Dörfer, Städte, Straßen und Entwässerungskanäle bauten. Mehrere große Siedlungswellen gab es seit 1722 auf Initiative der Habsburger Monarchie.

Die Stube deutscher Einwanderer

Einige historische Gebäude, wie die letzte noch erhaltene Wassermühle in Balint, werden von engagierten Anwohnern in Museen verwandelt.

Nur 40 Kilometer von Timisoara entfernt, führt Besitzerin Alina Meszaros (rechts im Bild) interessierte Gäste durch die Mühle und setzt die Maschinen in Gang.

Im kleinen Ort Sintesti trat der Lehrer Mert Ciprian das Erbe seines Vaters an, der auf eigene Faust ein ethnografisches Museum einrichtete. Mert pflegt und erweitert das Museum, führt Töpferkurse durch und hält das traditionelle Schuhhandwerk am Leben. An seiner Schule vermag er es, 19 Schüler für eine Volkstanzgruppe zu begeistern.

Mert Ciprian pflegt ehrenamtlich ein kleines privates Museum

In dem von Schwester Harisa und 30 weiteren Nonnen sehr gepflegten Izvorul lui Miron Kloster sprudeln Thermalquellen und Besuchern steht nicht nur eine farbenprächtig bemalte orthodoxe Kirche offen, auch der umgebende Park lädt zum Spazieren und Genießen der Natur ein.

Im sehr gepflegten Izvorul lui Miron Kloster sprudeln Thermalquellen

Im Dorf Romanesti trifft man auf eine der 27 erhaltenen Holzkirchen des rumänischen Banats. Mit finanzieller Unterstützung der EU konnte das Gebäude wieder Besuchern zugänglich gemacht werden.

Im Dorf Romanesti trifft man auf eine der 27 erhaltenen Holzkirchen

In vielen kleinen Orten blühen derzeit agrotouristische Projekte auf.

Ein wunderbares Beispiel ist das Gästehaus im Valea lui Liman mit 28 gemütlichen Zimmern (DZ ab ca. 50 Euro/Nacht), einem Weinkeller und vorzüglichen Forellengerichten.

Auf kleine Besucher wartet eine Farm mit Ziegen, Pferden, Lamas und Eseln.

Ähnlicher Beliebtheit erfreut sich das Zian Landgasthaus in unmittelbarer Nähe zu Timisoara.

An den Wochenenden strömen bis zu 3000 Gäste in das von Cristian Perta (rechts im Bild) geleitete Gasthaus, um zu gut essen oder an einer der vielen Veranstaltungen und Feiern teilzunehmen.

Wie in Valea lui Liman werden auch hier Wanderungen, Biketouren und Reitausflüge angeboten.

Nahezu in jedem kleinen Ort können sich Besucher mit traditionellen Gerichten verwöhnen lassen. Unter dem Begriff „Frühstück in Margina“ bieten Bauern Buffets an, die mit frischen Zutaten und köstlichen Aromen bestechen.

Emilia Popa ergriff im Dorf Costeiu de Sus als erste im Kreis Timis die Initiative, um auf ihrem Hof die traditionelle Küche neu aufleben zu lassen.

Während sie sich um das Essen kümmert, destilliert ihr Mann die Früchte des angrenzenden Obstgartens.

Was könnte einen Besuch besser abrunden, als ein gutes Glas Wein?

Äußerst empfehlenswert ist dafür das Petro Vaselo Weingut nahe Timisoara.
Im Jahr 2002 gegründet, gehen von hier jährlich bis zu 350 Tausend Flaschen Qualitätswein in alle Teile Rumäniens, aber auch nach Deutschland, in die USA und nach Belgien.

Fazit: Die Region Timisoara ist ein Vorbild für einen erfolgreichen Agrartourismus in Rumänien. Statt Massentourismus trifft man hier auf authentische Erlebnisse und gastfreundliche Menschen. Nebenbei lernt der Besucher viel über die Geschichte, Traditionen und die Kultur. Regionale Delikatessen kann man nahezu überall genießen und wer ein absolutes kulinarisches Highlight erleben will, sollte sich 2028 auf den Weg in das rumänische Banat machen.

Fotos: Michael Juhran

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