CTOUR on Tour: 20 Jahre Segel-Schönheit „Aphrodite“ 1

CTOUR on Tour: 20 Jahre Segel-Schönheit „Aphrodite“

Kleine „Gorch Fock“-Schwester feierte ihren zweiten runden Geburtstag am Sund

„Wenn man die ´Aphrodite` so sieht“, vergleichen Seh-Leute auf der Stralsunder Steinernen Fischbrücke am 21. Mai, „könnte man sie glattweg für die kleinere Schwester der ´Gorch Fock` halten“. Die liegt genau gegenüber, jedoch als Museumsschiff.

Die Gallionsfigur am Bugspriet fällt ins Auge, besonders Männern: der wohlgeformte Oberkörper eines Mädchens mit goldenen Haaren. So stellt man sich Aphrodite vor. Genauso sieht auch der schmucke Segler aus: eine Augenweide außen wie innen und fantastisch gepflegt. Der Yachtlack glänzt nur so in der Morgensonne. „Aphrodite“-Fans wissen das zu schätzen. „Seit zwanzig Jahren“, so ein Stralsunder Seh-Mann, „komme ich hierher, wenn das adrette Mädel hier im Sommer anlegt, sie ist die Schönste der Ostsee“.

Segelschiff „Aphrodite“ unter vollen Segeln vor Rügen
Segelschiff „Aphrodite“ unter vollen Segeln vor Rügen

Dreieinhalb Kilometer Tauwerk und zupackende Hände
„Unsere Steuerfrau Maaike ist ständig dabei, das Schiff in Schuss zu halten“, antwortet Kapitän Aent Kingma, befragt nach dem glänzenden Pflegezustand. Der sympathische Niederländer aus Friesland, wie er extra betont, betreibt die Brigg gemeinsam mit seiner Frau Ellen. Heimathafen und Wohnsitz ist Stavoren am Isselmeer. Dort, direkt vor ihrer Haustür, liegt das Schiff auch über Winter und wird komplett überholt.

Ellen und er verchartern ihre „Aphrodite“ an Gruppen, buchen Einzelfahrer ein oder unternehmen stundenweise Fahrten: wie an diesem traumhaften Sonnentag mit FH-Studentinnen des Kurses Maritimer Tourismus im Studiengang Leisure and Tourism Management (LTM). In ihren Hörsälen studierte bis zur Wende der Offiziersnachwuchs der DDR-Volksmarine.

Kapitän Aent Kingma (Mitte) mit dem maritimen CTOUR-Experten Dr. Peer Schmidt-Walther (r.) und CTOUR-Vorstandssprecher Hans-Peter Gaul am offenen Steuerstand
Kapitän Aent Kingma (Mitte) mit dem maritimen CTOUR-Experten Dr. Peer Schmidt-Walther (r.) und CTOUR-Vorstandssprecher Hans-Peter Gaul am offenen Steuerstand

„Willkommen an Bord!“, begrüßt der sympathische Niederländer mit Intellektuellen-Look seine Gäste per Handschlag an der Gangway. Der Stralsunder Marinemaler Thomas Quatsling ist auch mit von der Partie. Sein persönliches Geburtstagsgeschenk überreicht er Aent: natürlich ein „Aphrodite“-Ölbild.

FH-Tourismus-Studentinnen helfen beim Segelsetzen
FH-Tourismus-Studentinnen helfen beim Segelsetzen

Vom offenen Steuerstand erklärt der Kapitän Schiff und Sicherheitseinrichtungen, Maaike führt eine Rettungsweste vor („man kann ja nie wissen“). Das ist so Vorschrift. Auch erklärt die blonde Niederländerin das Rigg und seinen Mechanismen, der durch dreieinhalb Kilometer Tauwerk und zupackende Hände bewegt wird.

Klasse-Hotel mit Wasserverdrängung
„Wir sind hier auf einer Brigg“, erklärt Maaike, „die hat, im Gegensatz zur ´Gorch Fock` nur zwei rahgetakelte Masten, und hintendran hängt noch ein Besansegel“. Aent hat selbst das Design der Segel-Schönheit entworfen, wie er verrät, „es ist kein altes, sondern ein völlig neues Schiff“. Mit diesem Typ sei im 19. Jahrhundert weltweit Fracht befördert worden.

CTOURisten vor der holländischen Brigg „Aphrodite“ an der Steinernen Fischbrücke in Stralsund
CTOURisten vor der holländischen Brigg „Aphrodite“ an der Steinernen Fischbrücke in Stralsund

Am 21. Mai 1994, dem Tauf- und damit Geburtstag des stolzen Seglers, konnte er mit dem fertigen Schiff erstmals in See gehen. Insgesamt sind die Abmessungen der „Aphrodite“ auch etwas bescheidener: 31 Meter Länge, 6,60 Meter Breite, 1,90 Meter Tiefgang, 150 Tonnen Wasserverdrängung. 19 Segel bringen 383 Quadratmeter Tuch an den Wind. Beim Manövrieren hilft ein Bugstrahlruder und als „Flautenschieber“ ein 360 PS-Diesel. Innen jedoch ähnelt sie einem Klassehotel mit acht komfortablen Doppelkabinen. Bei reinen Tagesfahrten können bis zu 40 Personen mitfahren. Hauptfahrtgebiet der „Aphrodite“ sind die Ostsee bis hinauf nach Schweden und Finnland sowie das heimische Isselmeer.

Stralsund-Panorama mit Museumsschiff „Gorch Fock
Stralsund-Panorama mit Museumsschiff „Gorch Fock

Traumschiff-Feeling unter Segeln
Unaufgeregt gibt Aent schließlich das Kommando zum Ablegen unter Motor. „Nimm´ mal einer die Fender ´rein!“, ruft Maaike von achtern, wo sie gerade die Leine einholt, die ein Passant losgeworfen hat.
Gleich hinter der Ausfahrt des Nordhafens heißt es „Segel setzen!“ Maaike fackelt nicht lange, drückt ihren Gästen diesen und jenen Tampen in die Hand und gibt dann die entsprechenden Kommandos: „Jetzt kräftig durchholen! Gut so!“ Der Motor verstummt. „Wie still es jetzt ist!“, findet Anna-Lena und genießt die sich unter drei bis vier achterlichen Windstärken blähenden Rahsegel und die rauschende Sund-See.

Blick auf die rahgetakelten Masten der Segel-Schönheit
Blick auf die rahgetakelten Masten der Segel-Schönheit

Pause und Klönschnack für das Decksvolk. Smutje Koch serviert ein Süppchen – lecker, lecker. Alle sind begeistert vom Erlebnis „Aphrodite“ und würden am liebsten gleich den nächsten Törn nach Bornholm mitmachen. Das kleine Großsegler-Fieber hat sie gepackt. Auch wenn im Kubitzer Bodden, querab der Marinetechnikschule (MTS) Parow schon wieder beigedreht und unter Motor gegen den Wind zurück gedieselt werden muss.
Als der Klüverbaum sich durch die Hafeneinfahrt schiebt, winken die Studentinnen den Seh-Leuten auf der Nordmole freudig zurück. Irgendwie schwingt dabei auch ein bisschen Stolz mit – auf „ihr Traumschiff“.

Info
www.sail-aphrodite.com

CTOUR-Nachsatz
Diesen 21. Mai 2014 werden alle Beteiligten nicht so schnell vergessen. An der Steinernen Fischbrücke in Stralsund ging bei „Kaiserwetter“ eine bunte Schar erwartungsvoll an Bord der Brigg „Aphrodite“. Hier begrüßte sie Kapitän Aent Kingma zum 20jährigen Jubiläum des Zweimast-Seglers. Genau dort, wo Dr. Peer Schmidt-Walther vor nunmehr 18 Jahren eine Gruppe von CTOURisten während ihrer damaligen Rund-Rügen-Usedom-Hiddensee-Segeltour an Bord des Dreimasttopsegelschoner „Fridtjof Nansen“ kennenlernte.
Spontan wurde er danach Mitglied der Reisejournalisten-Vereinigung Berlin/Brandenburg (CTOUR) und ist seitdem ihr maritimer Experte. Nun ging es für einige CTOUR-Mitglieder wieder mit einem Segelschiff auf Ostseetörn. Diesmal mit dabei: FH-Tourismus-Studentinnen, der aus den Medien bekannte NDR-„Wetterfrosch“ von Hiddensee, Stefan Kreibohm, der Stralsunder Marinemaler Thomas Quatsling und die Chefin der traditionsreichsten Stralsunder Hafenkneipe „Zur Fähre“.

Fotos: CTOUR/Dr. Peer Schmidt-Walther, Hans-Peter Gaul, Thomas Quatsling