USBEKISTAN – KULTURELLES HERZ ZENTRALASIENS

Touristische Konzepte und Ziele bis 2030

Von Margrit Manz

Auf Initiative des Herausgebers vom Online Portal „Reiseblick“ und CTOUR-Mitglied Fred Hafner fand am 8. Juni 2026 ein Botschaftstreff in der Botschaft der Republik Usbekistan in Berlin-Mitte statt. Zusammen mit der Botschaft wurde ein Programm für den Anlass entworfen, das sowohl touristische Themen, traditionelle Tänze, als auch kulinarische Spezialitäten für eine anregende Kommunikation bereithielt.

In seiner Anmoderation wies Fred Hafner auf den besonderen Status der Veranstaltung hin, bei der sich die Gäste für ein paar Stunden auf exterritorialem Gebiet, nämlich auf dem Gebiet Usbekistans befinden würden. Nachweis genug waren die herzliche Gastfreundschaft und der offene Austausch untereinander. Jeder der Anwesenden konnte später die Botschaft um einiges reicher an Wissenswertem und an Kontakten verlassen, um sich auf Berliner Territorium wieder auf den Heimweg zu machen.

Fred Hafner gab kurz einen Überblick darüber, dass Usbekistan 1,3 Mal so groß wie Deutschland, aber mit 38 Millionen Einwohnern viel mehr Platz im Land sei. Das Durchschnittsalter beträgt ca. 29 Jahre, nur 5% sind in der Altersklasse über 65 Jahre. Usbekistan hat ein jährliches Wirtschaftswachstum von 6-8%. 90% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, der Ramadan wird von ungefähr 40 % der Muslime in den Städten

und 85 % auf dem Land praktiziert. Der Zuwachs im Tourismus beträgt jährlich 30%. Usbekistan und Liechtenstein sind übrigens die einzigen doppelten Binnenstaaten der Welt. Das bedeutet, dass Usbekistan keinen Zugang zum Meer hat, aber auch von Ländern umgeben ist, die ebenfalls keine eigene Küstenregion besitzen.

Grundsätzlich ist die mediale Berichterstattung in den deutschen Medien über Zentralasien gering, dabei hat Zentralasien eine immer wichtigere Rolle in der geopolitischen Landschaft inne. Keines der deutschen Medien unterhält in Usbekistan ein Büro, um direkt aus dem Land zu berichten. Kaum erwähnt wurde z. B., dass am 5. Mai 2026 der „Jaloliddin Manguberdi“, ein moderner, in Südkorea hergestellter Hochgeschwindigkeitszug, feierlich in Betrieb genommen wurde.

Er verbindet auf der historischen Seidenstraßen-Strecke zwischen Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa die usbekischen Kulturstädte miteinander und verkürzt die Reisezeit auf

der 1.022 km langen Strecke auf ca. 7,5 Stunden. Der Zug bietet Platz für ca. 390 Passagiere in drei Klassen: VIP, Business und Economy.Komfort. Die Nichtraucherwaggons sind klimatisiert, haben ergonomische Sitze und verfügen über eigene Multimedia-Displays. Das wäre doch eine Meldung wert gewesen oder

Usbekistan – ein kulturelles Juwel

In seinem Grußwort hob der Bevollmächtigte und Außerordentliche Botschafter von Usbekistan S.E. Herr Dilshod Akhatov hervor, dass der Tourismus vor allem Kulturen verbinde.

Usbekistan könne nicht nur mit seiner einzigartigen Gastfreundschaft aufwarten, sondern auch mit mehreren UNESCO-Welterbestätten, darunter prächtige islamische Architektur, riesige Wüstenfestungen und einzigartige Naturräume. Kurzum, es sei ein kulturelles Juwel.

Aber Usbekistan möchte sich auch als modernes Land präsentieren. Den Tourismus gilt es, als Schlüsselbranche zu stärken, denn davon hängt nicht nur das Einkommen der Bevölkerung und die Sicherstellung ihres Wohlstandes ab, sondern auch die ständige Verbesserung der Infrastruktur. So wurden kürzlich die Einreisebestimmungen für Touristen erleichtert, u.a. kann man jetzt 30 Tage ohne Visum das Land bereisen. Bis 2030 werden ca. 20 Millionen Besucher erwartet. Das funktioniert nur mit einer guten Strategie. Dieser Andrang muss im ganzen Land verteilt werden, um einen Overtourismus zu vermeiden.

Also auch kleinere Städte sollten ihre Angebote attraktiver machen, z.B. Moynak mit seinem „Friedhof der Schiffe“ oder das Sawitzky-Museum in Karakalpakstan, einer autonomen Republik im Westen Usbekistans. Dort befindet sich eine der bedeutendsten Sammlungen russischer Avantgarde-Kunst. Der sowjetische Künstler und Kunsthistoriker Igor Sawitzkij hatte in der Hauptstadt Nukus sein Lebensprojekt verwirklicht. In der sowjetischen Malerei galt der Sozialistische Realismus als anerkannte Kunstrichtung, der avantgardistische Stil aus der vorsowjetischen Zeit wurde jedoch zensiert. Sawitzky hatte die einst verbotenen Bilder heimlich zusammengetragen und rund 100 000 Ausstellungsstücke in seinem Museum für Besucher zugänglich gemacht.

Der Botschafter hob hervor, wie stolz man sei, dass die 43. Tagung der Generalkonferenz der UNESCO 2025 in Samarkand stattgefunden habe, übrigens das erste Mal seit über 40 Jahren außerhalb ihres Pariser Hauptsitzes.

Usbekistan muss man mit den Augen sehen und mit dem Herzen spüren, betonte der Botschafter. Es sind ja nicht nur die architektonischen Gebäude oder städtischen Strukturen, sondern auch die besonderen Farben, die das Land habe.

Und last but not least. Zum ersten Mal nimmt Usbekistan mit seiner Nationalmannschaft „Weiße Wölfe“ an der Fußball-WM teil und wird am 18. Juni gegen Kolumbien antreten. Die Wölfe gelten zwar als stärkstes Team der zentralasiatischen Staaten, aber sie treffen nach Kolumbien auf DR Kongo und auf Portugal. Das ist eine immense Herausforderung in Richtung der K.o.-Runde, doch der ehemalige italienische Nationalspieler und Weltmeister-Kapitän Fabio Cannavaro steht als Cheftrainer an Usbekistans Seite.

Große Ziele brauchen große Reformen

Vom 16. bis 19. Juni findet in der Hauptstadt das V. Internationale Investitionsforum Taschkent – TIIF-2026 – statt. Es gilt als wichtigste Investitionsplattform des Landes und als eines der größten Wirtschaftsforen der Region. Wie der Botschafter im Grußwort schon erwähnt hat, gehört der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.
In der Entwicklungsstrategie für 2030 geht die Erhöhung der Anzahl der Touristen mit einer Verbesserung der

Infrastruktur und der Schaffung attraktiver Reiserouten einher.

rechts: Über die neue Strategie im touristischen Bereich berichtet Frau Dilfuza Aslanova.

Über 6.100 Unterkünfte mit etwa 161.000 Betten – darunter mehr als 3.200 Boutique-Hotels, Hostels und Familienpensionen sind dafür landesweit geplant. Mittlerweile gibt es über 1.100 Flüge pro Jahr. Neue Trends sind mit Rundreisen entlang der Seidenstraße z.B. Usbekistan-Kirgistan zu verzeichnen.

Besondere Aufmerksamkeit hat die Eröffnung im März 2026 mit dem Zentrum für islamische Zivilisation in Taschkent gebracht, das zu den ambitioniertesten jüngsten Architektur- und Kulturprojekten in Zentralasien gehört und das religiöse, historische und kulturelle Erbe Usbekistans präsentiert. Im April 2026 wurde das Zentrum in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen, basierend auf der Ausstellungsfläche und den monumentalen Ausmaßen des 50.000 Quadratmeter großen Komplexes.

Ebenso erwähnenswert ist der Imam-al-Buchārī-Komplex nördlich von Samarkand, der an der Grabstätte des berühmten Gelehrten Imam al-Buchārī (810–870) errichtet wurde und eine der bedeutendsten islamischen Pilgerstätten ist.

Usbekistan gilt als sicheres Reiseland und erhielt diverse Nachweise, u.a. den 1. Platz „Safety Perception Index 2023, den 1. Platz „Solo Female Travel Safety Index“, dazu die Erwähnung „International SOS Risk Map“ – Niedriges Risiko in der Reihe europäischer Länder.

2025 wurden 11 679 628 Reisende verzeichnet, die nach Usbekistan gekommen waren, 2026-bis heute sind es bereits rund 3 Millionen. Aus der Türkei kommen die meisten Besucher, dann folgen Italien, Deutschland, Frankreich, England.

Aus Deutschland waren es 2024 – 37.867 Reisende, 2025 – 43 007 und 2026 von Jan.-März: 5.200. Ab 1. April 2026 haben ausländische Staatsbürger bei der Ausreise aus Usbekistan die Möglichkeit, die auf erworbene Waren entrichtete Mehrwertsteuer zurückzubekommen. Das wären bei einem Mindestbetrag des Einkaufs von 300 000 UzS (ca. 22 Euro).

Kurzum, große Ziele gehen nur mit einem großen Aufgabenpakt einher. Bis 2030 ist eine Erhöhung des Anteils des Tourismussektors am Bruttoinlandprodukt von derzeit 3,5 auf 7% geplant. Die Steigerung der jährlichen Zahl ausländischer Reisender von derzeit 10 Millionen auf 20 Millionen soll auch die Erhöhung des Zustroms von zahlungskräftigen Touristen beinhalten.

Das jährliche Exportvolumen touristischer Dienstleistungen soll auf über 6 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, dazu gehören Verbesserungen der Verkehrsanbindung zwischen den touristischen Städten Usbekistans, sowie die Erhöhung der Anzahl von Inlandsflügen und Verringerung der Reisezeit. Außerdem soll die Anzahl von 4- und 5-Sterne-Hotels verdoppelt werden.

Vor allem muss im Marketing noch eine Schippe draufgelegt und eine weltweit bekannte Tourismusmarke Usbekistan geschaffen werden.

In den Buchpräsentationen von Autorinnen und Autoren ist die lange Verbindung zu Land und Leuten besonders zu spüren.


Holger Kretzschmar erzählt über den, beim Trescher Verlag erschienenen Reisführer „Usbekistan: Entlang der Seidenstraße nach Taschkent, Samarkand, Buchara und Chiwa“ von Irina und Bodo Thöns.

2026 ist aufgrund der hohen Nachfrage die 16. aktualisierte Auflage erschienen.

Holger Kretzschmar hat das Land schon mehrmals bereist, ist begeistert von der Gastfreundschaft der Menschen und auch, mit welcher Freude sie Usbekistan vertreten. Sie zeigen Fremden gerne ihre Schätze und haben ihre Museen und Shops bis Mitternacht geöffnet .

Es gibt sogar eine deutsche Kirche in Taschkent, die 1896 eingeweiht wurde und die einzige historische lutherische Kirche in Zentralasien ist.


Prof. Dr. Philipp Meuser stellt sein Buch „Eine Reise durch Taschkent –Fassadenkunst im Plattenbau“ vor.

Die Fassaden, von Pjotr, Nikolai und Alexander Jarsky entworfen, verstehen sich als Kombination von Kunst und Architektur. Florale Ornamente sind mit Motiven der islamischen Architektur verbunden und zeigen die funktionale Baupraktik der sowjetischen Ära.

In den 1970er bis in die 90er Jahre wurden über 200 Gebäude mit farbenfrohen Mosaikbildern und ausdrucksstarken Reliefs verziert. 2015 wurden 157 Fassaden unter besonderen Schutz gestellt und werden unter dem Begriff Tashkent Modernism geführt.


Stephanie Clasemann spricht über ihr Buch „Spirituelle Reise nach Usbekistan“ und verweist auf ihren letzten Erzählungsband „Und zuletzt Buchara“ (2025).

Die Autorin bietet Pilgerreisen zu den Sufis an. Es gibt viele Pilgerplätze, große und kleine, sogar ganze Pilgeranlagen. Die Sufis arbeiten viel mit Trance, die sie als zentrales spirituelles Werkzeug sehen, um sich dem Göttlichen besser nähern zu können. Stephanie Clasemann hat über die Sufi-Heiligtümer in „Heiliges Usbekistan“ geschrieben. Immer wieder wird sie gefragt, ob man als Frau alleine

durch Usbekistan reisen könne. „Zu jeder Tages- und Nachtzeit habe ich mich auf den Straßen des Landes sicher gefühlt“, betont sie und appelliert: „Einmal im Leben sollte man das Land auf jeden Fall besucht haben.“


Iris Berndt berichtet über „Möglichkeiten des Ökotourismus: Landschaften von Usbekistan“

Die Kunsthistorikern Iris Berndt hat sich dem Ökotourismus verschrieben. „Der Begriff „Öko“ kommt vom altgriechischen Wort „oíkos“ (οἶκος)“, erklärt sie. Das bedeutet „Haus“, „Haushalt“, „Wohnung“ oder „Heimat“. Ökologie ist somit die Lehre vom „Naturhaushalt“.

Iris Berndt hat in Usbekistan nach dem Öko-Siegel Ausschau gehalten, das offiziell „Yashil Belgi“ heißt. Es ist da, aber nicht immer zu sehen.

In diesen Tagen ist die 71. Ratssitzung der Global Environment Facility (GEF) in Samarkand zu Ende gegangen, auf der beschlossen wurde, die internationale Umweltfinanzierung bis 2030 zu stärken. 232,5 Millionen US-Dollar wurden in 24 Projekte und Programme in 22 Ländern investiert.


Zum Ausklang des Abends…  

 
Fotos: Anette Rietz, Hans-Peter Gaul, Margrit Manz, Usbekistan Tourismus

Margrit Manz ist Chefredakteurin und Herausgeberin des Online Portals China Report. Seit über 20 Jahren berichtet sie über Wirtschaftsbeziehungen und Kulturaustausch in China, informiert über Entwicklungen im internationalen Tourismus und regionaler Küche, rezensiert neue Bücher. Ihre Texte werden regelmäßig in Print- und Online-Magazinen in Deutschland, China und der Schweiz veröffentlicht. https://manz-chinareport.com Margrit Manz ist Mitglied des Präsidiums der Reisejournalistenvereinigung CTOUR.

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