CTOUR-Special: Reisen und Gesundheit 1

CTOUR-Special: Reisen und Gesundheit

Im Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin

Die Faszination für ferne Länder ist ungebrochen. Die Erwartungen sind hoch, die Neugier auf fremde Kulturen groß. Das solche Reisen aber auch Risiken für die Gesundheit mit sich bringen können, wird vielfach unterschätzt.
Viele Touristen glauben sich mit einem Medikamentenpaket aus der Hausapotheke für ihre Reise gesundheitlich ausreichend vorbereitet. Das allein aber genügt oft nicht immer. Besonders wenn es in tropische Länder geht, ist eine individuelle reisemedizinische Beratung und Information sehr sinnvoll und empfehlenswert, äußerte der Gastgeber und Gesprächspartner unseres CTOUR special zum Thema Reisen und Gesundheit, Dr. Tomas Jelinek. Der international renommierte Reisemediziner, wissenschaftliche Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf und langjährige Partner unserer Reisejournalisten-Vereinigung ist Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT).


Eingebunden in den internationalen Datenaustausch ist hier den Spezialisten die aktuelle Weltseuchenlage genau bekannt. So wissen sie, welche Infektionserkrankungen wo und in welchem Umfang aktuell weltweit auftreten. Die Angaben werden wöchentlich auf den neuesten Stand gebracht und an Ärzte und Apotheker übermittelt. Sie sind eine wichtige Grundlage für eine gezielte Beratung und Information der Kunden, ob bei einem Reisemediziner vor Ort oder in den acht bundesweiten Reisepraxen des BRCT.
„Wir können unseren Kunden genau sagen, welche Krankheitsrisiken in ihrem gewählten Urlaubsziel aktuell bestehen und wie sie sich am besten davor schützen können. Dabei prüfen wir auch, ob der vorhandene Impfschutz ausreichend ist oder ergänzt werden muss“, erläuterte Dr. Jelinek. Er betonte, niemandem wird mehr empfohlen als notwendig ist. Das kam überzeugend und glaubwürdig rüber.
Den Kundendienst der Reisemediziner nutzen bisher nur etwa die Hälfte aller Fernreisenden. Viele Familien reisen mit Kleinkindern, ohne sich beraten zu lassen. Das ist medizinisch sehr bedenklich, sozial aber verständlich, meinte Dr. Jelinek.

Dr. Tomas Jelinek (Bildmitte) mit Teilnehmern am CTOUR special im Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin Foto: Hans-Peter Gaul
Dr. Tomas Jelinek (Bildmitte) mit Teilnehmern am CTOUR special im Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin
Foto: Hans-Peter Gaul

In der Vergangenheit mussten die Kosten für den Impfschutz und die ärztliche Beratung von den Urlaubern meist selbst getragen werden. Jetzt übernehmen einige Krankenkassen diese Leistungen. So erstattet zum Beispiel die Knappschaft ihren Versicherten die Kosten für erforderliche Schutzimpfungen, wie Hepatitis A und B, Tollwut, Typhus und Gelbfieber. Außerdem zahlt sie auch die Arztkosten in voller Höhe. Dazu sind die Kassen nicht verpflichtet, sie tun es aber zur Kundenbindung. Welche Kasse diese Leistungen bezahlt, ist im Internet zu erfahren.

Beim alljährlichen Forum „Reisen und Gesundheit“ im Rahmen der ITB gehört WHO-Experte Dr. Tomas Jelinek zu den wichtigsten Akteuren Foto: Hans-Peter Gaul
Beim alljährlichen Forum „Reisen und Gesundheit“ im Rahmen der ITB gehört WHO-Experte Dr. Tomas Jelinek zu den wichtigsten Akteuren
Foto: Hans-Peter Gaul

Hauptanliegen aller Reisepraxen des BCRT ist die Prävention. Darüber hinaus sollten auch die Reiseveranstalter ihre Kunden auf mögliche Gesundheitsrisiken aufmerksam machen. Auch die Reisebüros könnten mehr zur Vorbeugung beitragen und die Urlauber auf die nächste Beratungsstelle hinweisen. Das aber geschieht leider nicht immer ausreichend.
Im Mittelpunkt der sich anschließenden Diskussion standen Fragen zu den häufigsten Tropenerkrankungen und wie man sich davor am besten schützen kann.

Beispiel Malaria
Sie wird durch die Anophelesmücke übertragen, die meistens nach Anbruch der Dämmerung bis zum Morgengrauen sticht. Der Stich ist meist kaum zu spüren. Deshalb wird die Gefahr der Übertragung vielfach unterschätzt. Anzeichen der Erkrankung sind totale Erschöpfung und hohes Fieber. Wird die Malaria frühzeitig – innerhalb von 24 Stunden – erkannt, kann sie heute mit Medikamenten vollständig geheilt werden.
Wirksame Schutzmaßnahmen sind geschlossene Kleidung, Schlaf unter einem Moskitonetz und die vorsorgliche Behandlung der unbedeckten Körperstellen mit einem wirksamen Insektenschutzmittel, das möglichst den Wirkstoff DEET enthält. Außerdem ist gegen Malaria auch eine medikamentöse Prophylaxe möglich.

Beispiel Denguefieber
Diese Infektionen werden von den Aedes-Mücken übertragen. Sie stechen vorwiegend in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Der Stich ist schmerzlos, aber oft juckend. In Süd- und Mittelamerika sowie in Südostasien breitet sich zurzeit das Dengue-Fieber rasch aus. Mehr als 400 000 Erkrankungen wurden hier in den letzten Jahren registriert. Aber auch in Europa (z. B. auf Madeira, in Kroatien, Griechenland und Frankreich) gab es bereits erste Fälle. Es treten dabei grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber sowie starken Muskel- und Gelenkschmerzen auf.
Wer in die besonders gefährdeten Gebiete reist sollte auch hier geschlossene Kleidung tragen, die möglichst mit Permethrin imprägniert ist. Neben intensivem Mückenschutz sind auch Moskitonetze nützlich.

Beispiel Zeckenstiche und Borreliose
Zahlreiche Infektionen werden durch Zecken ausgelöst. Borrelien gehören ebenso dazu wie FSME-Viren. Hochsaison der Zecke ist von April bis Oktober. Die Wahrscheinlichkeit einer Borrelien-Infektion wächst, je länger die Zecke saugt. Deshalb ist schnelles reagieren entscheidend.
In den sich auch in Deutschland weiter ausbreitenden Zeckengebieten sollten unbedingt feste Schuhe, lange Hosen und Strümpfe getragen werden. Hilfe und Beratung zu allen zeckenübertragenen Krankheiten bietet das BRCT in einer Spezialsprechstunde an.

Beispiel Höhenkrankheit
Wer bei einer Bergtour unvorbereitet in größere Höhen vordringt, läuft Gefahr, höhenkrank zu werden und ein Hirnödem zu bekommen. Deshalb wird bei Trekkingtouren empfohlen, die Berge langsam zu besteigen, viel zu trinken und möglichst einen Durchfall zu vermeiden. Außerdem sollte in der Gruppe mindestens ein entsprechendes Medikamenten-Set vorhanden sein. Besser ist, sich vor einer großen Bergtour intensiv auf die Sauerstoffarmut in der Höhe vorzubereiten.
Das BCRT bietet dazu in Berlin, Dresden und München einen Höhentauglichkeitstest und ein simuliertes Höhentraining an. Der Körper kann sich dadurch schrittweise und schonend an den Sauerstoffmangel anpassen, der während der Tour erwartet wird.

Das alles und mehr war Gegenstand der Diskussion beim CTOUR-Special am 17. September im Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. Der sehr informative, anregende und nachdenkenswerte Abend in lockerer Atmosphäre im Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin wird seine Fortsetzung finden.

www.bctropen.de
www.crm.de