POLNISCHER KRIPPENWETTBEWERB

Über 160 Krippen am Mickiewicz-Denkmal ausgestellt

von Karl Forster

Weihnachtskrippen sind in christlichen Gegenden nichts Besonderes. Mal ist es eine Hütte, mal eine Höhle und mal ein Stall. Darin die Figuren von Maria und Joseph und in einer Krippe das Jesuskind. Dazu gehören meist noch Ochs und Esel. Wie man sich als mitteleuropäischer Christ die Szenerie in Bethlehem ebenso vorstellt.
Eine Ausnahme gibt es. Krakauer Krippen (Szopka) sind anders.

Titelbild oben: Eine Miniaturkrippe im Teelöffel sorgte für regen Andrang von Fotografen.

Auch sie erinnern an die Geburt Jesu. Aber man verbindet das mit vielen anderen Elementen. Sie präsentieren die Architektur der wichtigsten, interessantesten und schönsten Bauwerke der Stadt.  Sie tragen meist Türme, die sich an dem höheren Turm der Marienkirche mit dem Turmkranz in Form einer Krone orientieren. Der Helm steht dabei für den Trompeter, der stündlich das Signal vom Turm spielt. Dabei geht es nicht darum, alles real zu kopieren, sondern die Fantasie walten zu lassen. Unten im Eingang findet man meist die heilige Familie dargestellt, aber auch den Krakauer Drachen oder prominente Persönlichkeiten. Wichtig: Die „Krippe“ muss glänzen, soll die strahlende Kirche darstellen. Dabei sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Es ist ein Stück Volkskunst mit alter Geschichte. Die Tradition geht in das 19. Jahrhundert zurück. Unterbrochen im ersten Weltkrieg wurde 1923 durch das Industriemuseum die Kunst des Krippenbaus wiederbelebt, jedoch nicht so aufwendig und künstlerisch. 1937 gab es einen ersten Wettbewerb, doch der Beginn des Krieges machte dem wieder ein Ende.

1945 wurde der Wettbewerb wiederaufgenommen und wurde immer größer. Über 160 Krippen waren es jeweils in den letzten Jahren, davon 120 von Kindern und Jugendlichen. Modellbauer oder Familien, Schulen und Kindergärten oder Rehaeinrichtungen, sie alle bauen nicht nur die „Krippen“, sondern sie präsentieren sie jetzt einmal im Jahr auf dem Krakauer Markt, dem Stary Rynek. Rund um das Denkmal des Nationaldichters Adam Mickiewicz stellen sie am ersten Donnerstag im Dezember ihre Werke zur Besichtigung durch die Bevölkerung, vor allem aber der Jury, die in den unterschiedlichsten Kategorien die Sieger ermittelt. Die besten Werke werden dann von Mitte Dezember bis Ende Februar im historischen Museum der Stadt ausgestellt. Einige besondere Stücke werden vom Museum auch aufgekauft, für spätere Ausstellungen.

Der größte Anteil der ausgestellten Krippen wurde von Kindern beigesteuert.

Wir waren in Krakau. Ein kalter, aber sonniger Wintertag. Es sind wirklich sehr unterschiedliche Werke, die da präsentiert werden. Klassisch werden sie aus Pappe oder Sperrholz gefertigt und dann mit farbigem Stanniolpapier verziert. Manche erinnern dabei an orthodoxe Kirchen mit goldfarbenen Kuppeln, andere kommen ganz künstlerisch daher, mit den unterschiedlichsten Figuren. Auch Tod und Teufel gehören dazu.

Die wohl kleinste Krippe die an diesem Tag gezeigt wird, ist in einem Teelöffel eingebaut (Titelbild oben). Eine der größten, rund zwei Meter. Erbaut von Karol. Schon sein Vater hatte besondere Krippen entworfen. Er selbst hat vor dreizehn Jahren mit seiner Krippe begonnen, mit der er jetzt auf einen Preis hofft.

Ganz anders Marcin. Er ist Student, kam erst vor zwei Monaten aus Białystok nach Krakau und hat Legosteine für den Bau seiner Krippe benutzt. Gerade einen Monat hat er daran gebaut.

Ein anderer wollte zeigen, dass es nicht auf das Material ankommt und hat Nudeln verarbeitet. Die Cannelloni-Röhren (natürlich ungekocht) sehen wie Baumstämme aus, aus denen die Krippe entstand, kleine flache Nudeln dienten als Fußboden.

Eine Krippe, komplett aus Nudeln gebaut.

Besonderes Interesse vieler Besucher finden die Kreationen der Kleinsten. Da sind dann beispielsweise die Engel über der Krippe mit Wasserfarben gemalt und ausgeschnitten.

Verschiedene „Szopka“ am Denkmal präsentiert

Zwei Stunden stehen die Krippen auf den Denkmalstufen. Dann geht es im Prozessionszug zur Bühne neben dem Rathausturm. Dort wird jedes Stück nochmal vorgestellt. Dann heißt es warten. Drei Tage später gibt die Jury die Gewinner bekannt.

Das Historische Museum Krakau, hält es für wichtig, die Tradition der besonderen Krippen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Die Kunstwerke werden nicht nur dort im Museum, sondern auch in Ausstellungen im Ausland präsentiert. Regelmäßig finden solche Ausstellungen auch in Deutschland statt.

Das Bild entstand bei einer Recherchereise nach Kraków anlässlich der Präsentation des Wettbewerbs der Krakauer Krippen (Szopka).

Krakau, die frühere Königsstadt, die immer noch mit Warschau um die Gunst der wichtigsten Stadt Polens ringt, ist zu jeder Jahreszeit ein empfehlenswertes Reiseziel. Besonders auch im Winter. Wer kann, sollte seinen Reisetermin im Jahr so legen, dass er die Präsentation der Krakauer Krippen inmitten des Weihnachtsmarktes miterleben kann.

Fotos: Karl Forster

Karl Forster, seit 1976 als Journalist tätig, vor allem im Bereich Politik mit Schwerpunkt Polen und deutsch-polnische Beziehungen. Seit 2006 Herausgeber des Magazins für Reise und Lebensart VIA-Journal (print und online).