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WELTERBESTADT LÄDT ZUM ENTDECKEN EIN – CTOUR VOR ORT / REISEBERICHT

Ein Wochenende in Quedlinburg

Dass Quedlinburg eine der größten und schönsten Fachwerkstädte Deutschlands ist, weiß man. Doch in der 25 000-Einwohner-Stadt, die sich seit 2015 Welterbestadt nennen darf, ist in diesem Jahr besonders viel zu entdecken.

Das beginnt bereits mit unserem 4-Sterne-Gastgeberhotel „Schlossmühle“ direkt unterhalb des Schlossbergs mit der imposanten St. Servatius-Stiftskirche.

CTOUR-Mitglied und Hotelexpertin Margot David macht uns Reisejournalisten bei einem kühlen Drink auf der historischen Hofterrasse mit der interessanten Geschichte dieses Ortes bekannt. Dort, wo die 1412 erstmals erwähnte Propstei- und Schloss-Mühle – eine von einst 16 Mühlen der Harzstadt – stand, wurde 1997 der Grundstein für das heutige Hotel „Schlossmühle“ gelegt. Aus einem Industriedenkmal mit stadtgeschichtlicher Bedeutung entstand unter Einbeziehung denkmalgerecht restaurierter Altbausubstanz u. a. mit Fachwerk-Speichergebäude, Gewölbekeller und Speicherräumen aus dem 18. und 19. Jahrhundert ein besonderes Hotel-Areal mit zeitgemäßer Gastlichkeit.

Margot David war die erste Hoteldirektorin und freut sich nun zusammen mit Hotelmanagerin Mandy Brandes darüber, dass hier Traditionen am authentischen Ort bewahrt werden konnten.
So schmückt der einzige original erhaltene Mühlstein der alten Propstei- und Schloss-Mühle als Wasserspiel die gutbesuchte Hotelterrasse.
Anlässlich 15 Jahre Hotel „Schlossmühle“ und 600 Jahre Ersterwähnung der Schloss-Mühle konnte 2012 der „Speicher Kratzenstein“ u. a. mit Festsaal des Veranstaltungshofs als authentischer Gebäudeteil des Vier-Sterne-Hotelkomplexes eingeweiht werden.

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Blick vom Hotel „Schlossmühle“ zur St. Servatius-Stiftskirche auf dem Schlossberg

Heute zählt die „Schlossmühle“ zu den größten Hotels der Stadt, die mit ihren derzeit 1500 Touristen-Betten jährlich etwa eine halbe Million Übernachtungen zählt. Tendenz steigend.

Rathaus-Treff mit OB

Nächste Station unserer Entdeckungsreise durch Quedlinburg ist das 1310 urkundlich erstmals erwähnte Rathaus.

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Reisejournalisten mit OB Frank Ruch (Mitte) und Direktorin des Hotels „Schlossmühle“ Mandy Brandes (3. v. l.) am steinernen Roland vor dem Rathaus

Hausherr und Oberbürgermeister Frank Ruch empfängt uns am Samstagmorgen am repräsentativen Eingangsportal mit dem Stadtwappen darüber. In dem im Stil der Gründerzeit mit Wandbildern ausgestatteten Festsaal erfahren wir Interessantes zur Stadtgeschichte. Hier ist auch das berühmte Bleiglasfenster zu sehen, das die Antragung der Reichsinsignien zeigt.

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Das Bleiglasfenster im Festsaal des Rathauses zeigt die Antragung der Reichsinsignien Heinrich I.

Das 1100jährige Jubiläum der Königserhebung des Sachsenherzogs Heinrich I. zum König der Sachsen und Franken wird in diesem Jahr groß gefeiert. So gab es Mitte Mai ein spektakuläres Stadtfest zu Ehren König Heinrich I. u. a. mit Straßentheater und Konzerten. Getreu dem Motto „Hochkultur trifft Lichtkultur“ wurden dabei auch Plätze phantasievoll illuminiert. Noch bis zum 2. Februar 2020 ist die Sonderausstellung „Heinrich I. in Quedlinburg“ im Schlossmuseum und in der Stiftskirche St. Servatius zu sehen.

„Wir feiern in diesem Jahr auch die Verleihung des hochkarätigen Titels UNESCO-Welterbe vor 25 Jahren und mit einer Festwoche ‚Zeiten-Wende‘ (28. Oktober – 1. November) 30 Jahre Friedliche Revolution u. a. in der Kulturkirche St. Blasii“,

freut sich der Oberbürgermeister.

Anlässlich der Brockeneröffnung vom 3. Dezember 1989 wird es unter dem Motto „Macht das Tor auf!“ am 3. Dezember eine Sonderfahrt mit der Harzer Schmalspurbahn vom Bahnhof Quedlinburg zum Brocken geben.

OB Ruch freut sich auch über den vom Institut für Handelsforschung Köln verliehenen Titel als „Schönste Kleinstadt Deutschlands“.
Unter dem Motto „Wirtschaft – Welterbe – Wohlfühlen“ will sich Quedlinburg auch als Klinikstandort sowie als Shopping- und Tagungsort weiter profilieren.

„Respekt und Freude empfinde ich auch gegenüber dem großartigen bürgerschaftlichen Engagement der Quedlinburgerinnen und Quedlinburger selbst, das seinen Ausdruck auch im gewachsenen ‚Wir-Gefühl‘ findet“,

so der Oberbürgermeister der liebenswerten Stadt am Harz, zu der auch die Ortsteile Bad Suderode und Stadt Gernrode gehören.
Auf den Spuren Heinrich I.

Gemeinsam mit Stiftshauptmann Hans-Jürgen Meie sind wir inzwischen wieder auf Entdeckungstour durch die etwa 80 Hektar große historische Innenstadt.

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Stiftshauptmann (Hans-Jürgen Meie) beim Stadtrundgang

Da der mittelalterliche Stadtgrundriss und ein großer Teil der mittelalterlichen Bebauung bis heute authentisch erhalten geblieben sind, hat die UNESCO am 17. Dezember 1994 Quedlinburgs Innenstadt mit Stiftsberg, Münzenberg und Wiperti in die Weltkulturerbeliste aufgenommen.

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Quedlinburgs Fachwerkhäuser seit 25 Jahren unter UNESCO-Schutz

So begeistern heute über 2000 recht unterschiedliche Fachwerkhäuser die Besucher aus aller Welt, darunter etwa 1, 2 Millionen Tagesgäste im Jahr.
In einem der ältesten Gebäude der Stadt aus der ersten Hälfte des 14. Jh., im sog. Ständerbau in der Wordgasse 3, ist das bisher einzige Fachwerkmuseum untergebracht.  Zu den im Festjahr 2019 angebotenen Führungen zählt auch die Tour „Heinrich I.“ (z. B. am 14. September).
Am sagenhaften Ort Finkenherd in der Altstadt startet die Zeitreise auf den Spuren des ersten deutschen Königs Heinrich I. zu dessen Wirkungsstätten in Quedlinburg. Auf dem Schlossberg wird die Stiftskirche St. Servatius mit der Grablege König Heinrich I. und seiner Gemahlin Königin Mathilde besucht.

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Blick vom Schlossberg auf die Quedlinburger Altstadt

Außerdem werden große Teile des kostbaren Quedlinburger Domschatzes besichtigt, die erst 1993 aus Texas zurückgekehrt sind. Anstelle einer Visitenkarte hat uns der Stiftshauptmann ein kleines Blumensamentütchen mit seinen Koordinaten überreicht und dabei an die bedeutende Saatzuchtgeschichte Quedlinburgs erinnert.
Verschiedene öffentliche Sonderführungen erinnern im Festjahr auch an diese Tradition und zeigen Quedlinburg u. a. als „Saatzuchtstadt mit Weltgeltung“.

Stadtgenuss Quedlinburg

Zu einer ganz besonderen Geniesser-Entdeckungstour hatte uns Frau Silvia Käther (Gästeführerin & Museologin) eingeladen.
Unter dem Motto „Stadtgenuss Quedlinburg“
(www.silvia-kaether-reisewege.de)
kann man während eines Lesespaziergangs mit fünf Stationen die kulinarische und künstlerische Vielfalt der Region probieren und erleben.
Wir haben die Tour im frischsanierten GutsMuths-Haus von Iana Pfannkuchen mit leckeren Köstlichkeiten und netten Anekdoten begonnen.

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Genusstour bei Iana Pfannkuchen im GutsmuthsHaus

In dem historischen Fachwerkhaus, in dem 1759 der Pädagoge Johann Christoph Friedrich GutsMuths geboren wurde, kann man feiern, Konzerte und Vorlesungen oder Sprachabende erleben. Das Haus mit seinen regionalen Spezialitäten ist natürlich bei den Läufern des populären Rennsteig-Gutsmuths-Laufs sehr gefragt.

Inmitten der Altstadt und in der Nähe der Tourist-Info befindet sich eine weitere Station der Genuss-Tour Quedlinburg, der Regionalladen Harz (www.Regionalladen-Harz.de).

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Simone Seiboth (rechts) mit Autorin Kathrin R. Hotowetz vor dem Regionalladen Harz

Inhaberin Simone Seiboth macht uns mit ihren mehr als 50 Senf-Raritäten aus eigener Herstellung bekannt. Ebenfalls im Angebot: leckere Harzer Wurst, Whisky, Chili-Feinkost und naturbelassene Biere.

Zu den Besuchern an diesem Tag gehören auch die Halberstädter Schriftstellerin Kathrin R. Hotowetz mit Axel Steinbach. Sie leben in einer frühmittelalterlichen, geschichtsträchtigen Klostermühle („Geistmühle“). Hier entstand auch ihr erfolgreicher Buch-Zyklus „Im Schatten der Hexen“. „Viele Schauplätze rund um den Brocken und in der gesamten Harzregion lassen den Leser die wahrhaftige Mystik seiner Heimat, deren Wälder, Wildkräuter und Tierwelt oder seiner bevorzugten Urlaubsregion gewahr werden“, heißt es in einer Broschüre. Im Spätherbst wird zudem der Kultur- und Wanderführer „Wandern im Schatten der Hexen“ erscheinen.(www.geistmuehle.de). 
Im Rahmen des Krimi-Marathons Berlin/Brandenburg gestaltet Kathrin R. Hotowetz im November einen Abend zu ihrer Buchreihe in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin.

Man sagt, Quedlinburg habe eine besonders hohe Zahl an Cafes. Dazu gehört – idyllisch am Schlossberg gelegen – auch das Cafe& Bistro Frau Schnittchen (www.frauschnittchen.de).
Gastgeberin Manuela Schlitt empfängt uns im Garten mir köstlichen selbsthergestellten Desserts und weiteren Leckereien.

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Leckereien beim „Stadtgenuss Quedlinburg“

Hier lernen wir auch Christine Klauder, Autorin des Mitteldeutschen Genussführers, kennen. Von ihr stammt die Grundidee für die beliebten Stadtgenuss-Touren, die es ähnlich auch in Jena und Erfurt gibt.

Mit dem Nachtwächter auf Entdeckungstour

„Wer Quedlinburg besucht, muss auch zu Lüdde gehen, sonst hat er nicht die Stadt gesehen,“

heißt es in einem Werbespruch.
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Im historischen Brauhaus Lüdde

Wir haben das traditionsreiche Brauhaus besucht und auch hier eine der starken Frauen der Stadt kennengelernt: Frau Clair führt seit vielen Jahren mit ihren beiden Töchtern erfolgreich das seit 1876 bestehende Brauhaus (seit 2000 auch mit eigenem Hotel). Beliebt sind die nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrauten klassischennaturbelassenen Biere wie „Pubarschknall“ und „Knuttenforz“ sowie deftige Hausmannskost
(www.hotel-brauhaus-luedde.de).

Apropos starke Frauen. Von denen hatte bereits der Stiftshauptmann während seiner Führung geschwärmt und über sie könnte man einen eigenen Beitrag machen. An 22 „FrauenOrten“ in Sachsen-Anhalt werden Geschichten von Frauen erzählt, die im heutigen Bundesland gelebt haben. So ist z. B.  im Klopstock-Haus Interessantes über das Leben und Werk von Dorothea Christiana Erxleben (1715-1762) zu erfahren.

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Das Museum im Klopstock-Geburtshaus (Mitte) macht mit Persönlichkeiten der Stadt bekannt

Heute trägt u. a. das renommierte Harzklinikum den Namen der ersten deutschen promovierten Ärztin.

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Stimmungsvoller Abend in der Altstadt

Vom Gasthof Lüdde sind wir an einem wunderschönen Sommerabend mit dem Nachtwächter & Gästeführer Lutz-Rainer Schmidt zur letzten Entdeckungstour durch das abendliche Städtchen aufgebrochen.

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Mit dem Nachtwächter (Lutz-Rainer Schmidt) auf Tour

Mit seinen Anekdoten und so manchen kuriosen Geschichten hat er uns wiederum neue, interessante Ecken, Häuser und Persönlichkeiten der liebenswerten Welterbestadt nähergebracht und so Lust auf weitere Besuche der verkehrsgünstig gelegenen Harzstadt gemacht.

Ausflugstipp: nur wenige Kilometer sind es von Quedlinburg nach Thale. Hier kann man z. B. auf dem „Mythenweg“, durch in das Pflaster eingelassene Hufeisen gekennzeichnet, etwas vom Mythos des germanischen Götterkultes in zeitgemäßer Form erleben. Zu empfehlen ist auch eine idyllische Wanderung entlang der Bode – optimal in Begleitung einer Hexe.

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Hexe Angelika im Bodetal

An der imposanten steinernen Bodebrücke mitten im wildromantischen Tal lädt das historische Gasthaus „Königsruhe“ zur Rast ein (Spezialität: frisch gegrillte Forellen aus der Bode).

Spaß für Groß und Klein bietet die Seilbahnen Thale Erlebniswelt.

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Seilbahn Thale

Mit der modernen Kabinenbahn kann man nach einer einzigartigen Panoramafahrt ganz bequem den legendären Hexentanzplatz sowie das Harzer Bergtheater Thale, eine der schönsten und ältesten Naturbühnen Deutschlands, erreichen. Per Sessellift geht es vom Bodetal hinauf zur Rosstrappe.

Weitere Infos:
www.schlossmuehle.de
www.quedlinburg.de
www.quedlinburg2019.de
www.seilbahnen-thale.de
www.bodetal.de

Fotos: Hans-Peter Gaul

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