CTOUR-Salongespräch im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Berlin

CTOUR-Salongespräch:

Tourismus bringt Menschen zusammen

Seine erste „Amtshandlung“ als Tourismusbeauftragter der Bundesregierung führte den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Thomas Bareiß in ein Reisebüro in seinem Wohnort in der Schwäbischen Alb.

In seiner neuen Funktion wollte er wissen, wo die Klein- und Mittelunternehmer vor Ort der Schuh drückt. Spätestens da muss dem Mann klargeworden sein, dass aus der kokett vorgetragenen Idee, mit dem Politikbereich Tourismus seine „Work Life Balance“ zum eher nüchternen Verantwortungsbereich Energie und Export ausgleichen zu können, wohl nichts wird. Doch der neue Job als Tourismusbeauftragter und der Besuch im Reisebüro hat seiner Kampfeslust gegen zu viel Bürokratie einen neuen Schub gegeben. Und so nahm das „Bürokratieentlastungsgesetz“ einen großen Raum ein, in dem noch viel größeren Saal des Bundeswirtschaftsministeriums.

CTOURisten während des Salongesprächs
CTOURisten während des Salongesprächs

Thomas Bareiß ließ die CTOUR-Mitglieder gleich zu Beginn wissen, dass man für dieses Salongespräch den schönsten Raum im Hause gebucht habe. Der Gebäudekomplex hat seinen Ursprung im „Invalidenhaus“ aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, in dem Preußische Kriegsverletzte und Veteranen der Stadt untergebracht waren. Um 1900 kam die Militärärztliche Akademie hinzu. Nach einer wechselvollen Geschichte – ab 1961 direkt an der Berliner Mauer – wurde ein erster sanierter Gebäudeteil bereits ab 1994 vom Ministerium genutzt. Inzwischen sind die Außenfassaden wieder im ursprünglichen Zustand, ist im Inneren ein Bürogebäude entstanden, in dem sich Besucher ohne Begleitung im Dschungel der Gänge und Treppenhäuser vortrefflich verlaufen können.

-Staatssekretär Thomas Bareiß mit CTOURisten Thomas Wüpper, Jürgen Osterhage und Wieland Scharf (v. l.)
Staatssekretär Thomas Bareiß mit CTOURisten Thomas Wüpper, Jürgen Osterhage und Wieland Scharf (v. l.)

Womit wir wieder beim CTOUR-Salongespräch und dem Dschungel an Vorschriften wären, die Thomas Bareiß mit dem „Bürokratieentlastungsgesetz“ so gern entschlacken würde – der Luft zum Atmen wegen. Da ist zum Beispiel die Idee, Meldebescheinigungen an der Hotelrezeption künftig elektronisch zu erstellen. Warum das mindestens „schwierig“ ist, konnte der Beauftragte für Tourismus in ausführlichen Stellungnahmen anderer Ministerien nachlesen. Und auch der Vorstoß die Arbeitszeitregelungen im Hotel- und Gaststättengewerbe den Bedürfnissen der Branche und ihrer Kundschaft anzupassen, offenbart sich als langer, steiniger Weg. Aber das kann einen wie Thomas Bareiß nicht bremsen. Deutschland sei ein hervorragendes touristisches Produkt: sauber, sicher und schön.

-Staatssekretär Thomas Bareiß (M) mit Regierungsdirektor Andreas Kolbe und Pressesprecherin Anna Sophie Eichler
Staatssekretär Thomas Bareiß (M) mit Regierungsdirektor Andreas Kolbe und Pressesprecherin Anna Sophie Eichler

Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) mache mit einem überschaubaren Budget einen guten Job, was sich in immer neuen Erfolgsmeldungen zur Zahl ausländischer Besucher in Deutschland in den letzten sieben Jahren zeige. Im nächsten Jahr gebe es etwas mehr Geld für die DZT, um bei der Digitalisierung ganz vorne mitzuspielen. Besucher aus Indien zum Beispiel steuerten ein Reiseziel oft erst dann an, wenn sie sich dort schon mal virtuell „umschauen“ konnten. Und es gibt viele Inder, die sich eine Europareise leisten können. Auch dass die Chinesen – mit bis zu 10 % touristischen Wachstumsraten im Jahr – ihr Reiseverhalten nur über zwei Onlineportale steuern und abwickeln, beeindruckt den Tourismusbeauftragten. Überhaupt – die Steuerung. Das böse Wort vom „Overtourism“ mag der Staatssekretär nicht gern in den Mund nehmen, spricht jedoch das Problem unter dem Stichwort „Ballungstourismus“ klar an. Hier müssten Ideen und Lösungen gefunden werden, diesen zu entzerren. Mit spezifischen Angeboten zum Beispiel, die nicht alle Berlin-Besucher zum Brandenburger Tor rennen lassen – Erwartungsmanagement nennt man das heute. Aber welcher Chinese oder Japaner, der einmal im Leben nach Europa, Deutschland und Berlin kommt, würde auf das Brandenburger Tor verzichten und stattdessen zum – sagen wir mal – Müggelturm fahren?

Tourismusbeauftragter der Bundesregierung Thomas Bareiß (M) mit CTOUR-Vorstandssprecher Hans-Peter Gaul (l.) und CEO der neusta agentur Grafenstein GmbH Frank Grafenstein
Tourismusbeauftragter der Bundesregierung Thomas Bareiß (M) mit CTOUR-Vorstandssprecher Hans-Peter Gaul (l.) und CEO der neusta agentur Grafenstein GmbH Frank Grafenstein

Vielleicht hat ja der Tourismusbeirat, den das Bundeswirtschaftsministerium auch für diese Legislaturperiode einberufen hat, zündende Ideen. Schließlich soll sich dort die Bandbreite des Deutschlandtourismus wiederfinden und sich auch in eine Nationale Tourismusstrategie einbringen, die noch in den Anfängen steckt. Erfreulich voran geht es mit dem neugeschaffenen Kompetenzzentrum für Tourismus, an dem auch CTOUR-Mitglied Frank Grafenstein mit seiner Agentur neusta Grafenstein GmbH als Netzwerkpartner beteiligt ist. So wird in der Branche das neue Förderprogramm LIFT begrüßt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen wurde, um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittelständischer Unternehmen im Tourismus zu stärken. LIFT steht für „Leistungs- und Innovationsförderung im Tourismus“. Mit bis zu 1,5 Millionen Euro werden hier sowohl Projekte als auch Konzepte gefördert.
Sehr „gegenwärtig“ waren auch die Themen, die unsere Clubmitglieder in die Diskussion warfen. Da ging es um die „Pauschalreiserichtlinie“, die auch Bareiß als Belastung für die Anbieter ansieht, wenngleich sie natürlich ein Segen für Kunden sei. Weitere Korrekturen daran wären momentan aber eher illusorisch.
Der unterschiedliche Mehrwertsteuersatz zwischen Deutschland einerseits und Polen sowie Tschechien wurde ebenfalls „aufgerufen“. Der, so der Gastgeber, sollte eigentlich schon längst harmonisiert sein. Wie so oft bei unterschiedlichen nationalen Interessen in Europa sei dies aber schwer durchzusetzen. Und für nationale Alleingänge sei niemand zu gewinnen. Da brauche es auf europäischer Ebene den berühmten langen Atem.

CTOUR-Salongespräch im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Berlin
CTOUR-Salongespräch im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Berlin

Und natürlich spielte der Arbeitskräftemangel eine Rolle. Hier verwies Bareiß auf das geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz. CTOUR-Ehrenmitglied Frank Havemann brachte das Freizügigkeitsabkommen der Polen mit der Ukraine ins Gespräch. Über 200.000 Ukrainer würden schon im Nachbarland arbeiten. Deutschland müsse hier nachziehen. Für das geplante neue 400-Betten-Hotel im Erlebnisdorf Elstal vor den Toren Berlins würden dringend Arbeitskräfte gebraucht. Bereits jetzt hat die Karl’s Erlebnisdorf-Gruppe 45 Syrer eingestellt, die sich gut integriert hätten. Sogar Arbeitskräfte aus Kirgisistan versuche man ins Unternehmen zu holen. Thomas Bareiß machte sich auch dazu Notizen, erinnerte aber daran, die Integrationsfähigkeiten der Arbeitskräfte aus anderen Kulturen einerseits und unserer Gesellschaft andererseits im Gleichgewicht zu halten. Wobei er selbst auch in anderen Kulturen gelebt hat. Vor seiner Politikerlaufbahn war er kaufmännischer Leiter eines mittelständischen Textilunternehmens und hat lange Zeit in Izmir zugebracht. Aus dieser Zeit gäbe es noch viele Freunde und eine Vorliebe für Urlaube in der Türkei. Selbst in der Zeit, in der die Töne aus Ankara inakzeptabel waren, hielt er dem Land die Treue. Nicht immer zur Freude seiner konservativen Klientel. Aber, so Bareiß weiter, man könne doch nur dadurch etwas bewegen, dass man Menschen zusammenbringe. Und das sei etwas, was Tourismus im besten Fall wirklich leisten kann.

Fotos: CTOUR

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