CTOUR-Stammtisch: Die Möglichmacher feiern Geburtstag 1

CTOUR-Stammtisch: Die Möglichmacher feiern Geburtstag

Reiseveranstalter Neckermann begeht 50jähriges Jubiläum und ist zu Gast bei CTOUR in Berlin

Beim 50jährigen Jubilar Neckermann-Reisen ist keine Spur von Midlife-Crisis zu entdecken. Mathias Brandes, Leiter der Kommunikation Thomas Cook AG und Ehrenmitglied von CTOUR, präsentierte am 14. Februar im Berliner ABACUS Tierpark-Hotel vor über 50 CTOUR-Mitgliedern und Gästen den legendären Reiseveranstalter und Pauschal-Pionier Neckermann gewohnt souverän, locker und professionell. Begleitet wurde er von Resi Schwittek, die bereits vor mehr als 40 Jahren in dem Unternehmen u. a. den Einsatz hunderter von Reiseleitern in 30 Ländern koordiniert und sie auch betreut hat.

Buchungen laufen gut
Brandes machte gleich zu Beginn keinen Bogen um die negativen Schlagzeilen im Sommer des vergangenen Jahres zur Pleite des Neckermann-Versandhandels, die seien längst abgehakt. „Uns gibt es noch, wir als Thomas Cook sind die einzigen, die Neckermann-Reisen noch als Marke nutzen“ sagte er. „Der Umbau des Unternehmens ist erfolgreich, die Buchungen laufen gut.“ Und Brandes resümiert: “Wir sind optimistisch!“

Thomas Cook-Kommunikationschef Mathias Brandes, Neckermann-Reisen – „Urgestein“ Resi Schwittek und CTOUR-Vorstandssprecher Hans-Peter Gaul (v. l.) im ABACUS Tierpark-Hotel Berlin
Thomas Cook-Kommunikationschef Mathias Brandes, Neckermann-Reisen – „Urgestein“ Resi Schwittek und CTOUR-Vorstandssprecher Hans-Peter Gaul (v. l.) im ABACUS Tierpark-Hotel Berlin

Auf Mallorca zum Marktführer
Die unglaubliche Erfolgsgeschichte des Frankfurter Versandhändlers Joseph Neckermann auf dem Reisemarkt ist untrennbar mit einer Insel im Mittelmeer verknüpft. Komplett organisierte Flugreisen nach Mallorca erwiesen sich als das Einfallstor, um die Herzen deutscher Urlauber mit Pauschalreisen zu erobern. “Reisen nach Mallorca stellen noch heute ein Hauptgeschäftsfeld für uns dar. Manches verändert sich auch in 50 Jahren nicht und das ist ganz gut so“ kommentierte Kommunikationschef Brandes. Mallorca ist die Erfolgsgeschichte der Touristik, in der schon damals Neckermann zum Marktführer aufstieg und es bis zum heutigen Tag mit einem Anteil von 30 Prozent geblieben ist.

Erster Katalog mit sechs Seiten
Der erste Katalog von Neckermann, in dem Reisen angeboten wurden, erschien im Winter 1962/63 für die Sommersaison. Er bestand aus sechs gefalteten Seiten, die dem großen Neckermann-Katalog beigefügt waren – die Geburtsstunde der Pauschalreisen in Deutschland. Damals flogen die Urlauber mit einer viermotorigen Propellermaschine auf die Balearen. Partner war die Ende 1955 gegründete Fluggesellschaft Condor, die es bis heute geblieben ist. Wer verfällt da nicht der Nostalgie, wenn er die Sommerpreise des Jahres 1963 betrachtet. Da kosteten 15 Tage Mallorca alles inbegriffen 338 D-Mark. Damals war noch „alles inbegriffen“ und nicht neuhochdeutsch globalisiert „all inclusive“. Außerdem gehörten seinerzeit bei der kompletten Reise mit Vollpension nicht die Getränke dazu. Aber das war für die beginnende Erfolgsgeschichte keine Hürde. Bereits im Gründungsjahr erreichte Neckermann 18.000 Teilnehmer und erzielte einen Umsatz von acht Millionen Mark.

1964 Marktführer als Reiseveranstalter
Im Jahr 1964 wurden erstmals Schiffstouren angeboten und die Zahl der Kunden verdoppelte sich. Damit eroberte damals Neckermann Reisen im zweiten Jahr seines Bestehens die Marktführerschaft als Reiseveranstalter. 1965 startet Neckermann die erste Fernreise in den Libanon und dabei hat der Düsenjet, eine B-720, eine Premiere als künftiger Flieger für Urlauber. „Neckermann setzte Maßstäbe, hat vieles neu in den Reisemarkt eingebracht, war innovativ“, betont Brandes. Als schließlich 1966 in 13 Ländern 19 Ziele im eigenen Reise-Prospekt stehen, der in einer Auflage von sieben Millionen gedruckt wird, ist Neckermann endgültig etabliert. Für den Reise-Boom der nächsten Jahre ist der Reiseveranstalter Neckermann und Reisen (NUR) für den Massenmarkt mit großem Umsatz und kleinen Margen gut gerüstet. Neckermann hat viel gelernt aus dem Versandgeschäft und dann auf das Reisegeschäft übertragen. Dazu gehören auch Präsentationen des jeweils aktuellen Katalogprogramms für Reisebüros und Medienvertreter.

Clubmarke Aldiana startet in Senegal
In dieser Zeit avanciert Spanien zum Reiseziel Nummer eins der Deutschen und ist es bis heute geblieben. 1969 steigt Neckermann zum größten Flugtouristik-Veranstalter in Europa auf und damals begann das Prinzip des Baukastensystems zum Zusammenstellen von Reisen. In dieser Urlaubs-Euphorie wendet sich Neckermann auch der jungen Generation zu und eröffnet das Geschäft mit den Ferienclubs. Das erste Clubdorf wurde 1973 im Senegal eröffnet, der Club Aldiana, hat bis heute noch als Marke Bestand.
Trotz steigendem Ölpreis, wirtschaftlichen und politischen Krisen lassen sich die Deutschen das Reisen nicht vermiesen. Am Urlaub, so scheint es, wird zuletzt gespart. Im Jahr 1975 bietet Neckermann eine Weltreise auf dem Schiff „Maxim Gorki“ an – für 4389 D-Mark in 80 Tagen um die Welt. Da wagt man gar nicht, heutzutage die Summe in Euro umzurechnen.

Die Mauer fällt – Neckermann kommt
In der deutsch-deutschen Tourismusgeschichte spielte Neckermann eine aktive Rolle. Die Mauer fiel und Neckermann war sofort vor Ort, um mit Sonderkatalogen für Reisebüros der DDR hier den großen Nachholbedarf der Menschen zu befriedigen. Der Veranstalter von Pauschalreisen mit seinen günstigen Preisen war besonders prädestiniert, den Reisemarkt zu erschließen.
Neckermann bleibt, später als Hauptmarke des Reisekonzerns Thomas Cook, weiter bestimmend auf dem starken gesamtdeutschen Reisemarkt.
Der Terroranschlag auf das World Trade Center verbunden mit einem Rückgang der Nachfrage nach Reisen läutet im neuen Jahrtausend das Zeitalter des Internets in den kommenden Jahren ein. Es besteht eine sehr hohe Transparenz hinsichtlich der Preise und auch der Bewertungen. Es gibt den Trend, dass die Kunden spontaner buchen und sie wollen flexibler sein.

Neue Technologien in der Reiseindustrie
„Der Verkauf über das Internet wird auch für uns immer wichtiger“, hebt Brandes hervor. „Das City-Geschäft läuft nicht mehr nur über die klassischen Kataloge wie früher, sondern verstärkt über das weltweite Netz.“ Außerdem gebe es dynamische Produkte, die zu tagesaktuellen Preisen angeboten werden, kombiniert mit tagesaktuellen Flügen zu den Hotels. „Da stehen nicht mehr irgendwelche Pauschalangebote im Katalog, sondern werden in dem Moment, wo der Kunde es haben will, zu einem aktuellen Preis zusammengestellt. Das sind alles technische Möglichkeiten, die sich jetzt durch neue Technologien bei der Reservierungs- und Vertriebssystemen und in den Internetplattformen entwickelt haben.“
Die technologischen Veränderungen beeinflussen die Reisewirtschaft und der Wettbewerb spielt sich auf dem Gebiet der Technik ab. Auch Neckermann-Reisen musste die Erfahrung machen, dass man die richtige Technik benötigt, um beim Kunden anzukommen. So dürfen keine Zeitverzögerungen bei aktuellen Buchungen zugelassen werden. Ganz entscheidend sei es, so Brandes, eigene Produkte vorzuhalten, die kein anderer Anbieter habe, um das eigene Profil zu stärken. „Ob dies unsere Hotelmarken wie Sentido und Smartlines oder die „Erlebniswelten“ sind, wichtig ist für das Image, dass die Kunden wissen, was von Neckermann-Reisen stammt“, so Brandes.

Neckermann – Synonym für Pauschalurlaub
Natürlich gibt es zum Geburtstag auch Geschenke für die Neckermann-Kunden, so Brandes. “Wir bieten z. B. besondere Frühbucher-Rabatte auf exklusive Hotelübernachtungen sowie Rabatte auf Flüge und Individualreisen.“ Gerade in der Kernkompetenz des Preis-Leistungsverhältnisses sowie beim Urlaub für Familien will Neckermann-Reisen auf sich aufmerksam machen.
In zwei neu produzierten Fernsehspots unter dem Motto: Urlaub, aus dem Sie nicht zurück wollen – Neckermann macht es möglich wird augenzwinkernd der Neckermann-Tourist gezeigt wie man ihn sich landläufig vorstellt. Der Begriff Neckermann steht bekanntermaßen seit vielen Jahren als Synonym für Pauschalurlauber. Das sei zwar nicht immer nett gemeint, wie Brandes zugibt, aber Neckermann als Marke habe es geschafft, in den Sprachgebrauch überzugehen. „Neckermann ist eine Volks- und Erfolgsmarke“, so Brandes. „Sie muss sich allerdings auch technisch ständig erneuern und Trends aufnehmen so wie sie es in den vergangenen 50 Jahren machte.“
Mit zwei großformatigen Fotos des CTOUR-Fotografen Karl-Heinz Kraemer (AlphaPress) vom Berliner Fernsehturm in den 60er Jahren und heute bedankten sich die CTOUR-Reisejournalisten bei Mathias Brandes für den informativ-unterhaltsamen Abend.

Infos:
www.thomascook.info