CTOUR vor Ort: Nationale Tourismusstrategie – Wohin geht die Reise?

Noch nie stand der Tourismus so im Fokus der Bundespolitik.
Zum ersten Mal wird eine NATIONALE TOURISMUSSTRATEGIE erarbeitet.
Die Eckpunkte liegen bereits vor. Das Kabinett hat sie in seiner Sitzung am 30. April 2019 beschlossen.
Federführend dabei  ist das Team um den Tourismus-Beauftragten der Bundesregierung Thomas Bareiß, bei dem CTOUR im November 2018 zu einer exklusiven Runde – dem CTOUR-Salongespräch – war.
Jetzt nahmen erneut mehr als 10 CTOUR-Mitglieder die Gelegenheit wahr, bei einem Fachgespräch der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag dabei zu sein.

Sitzungssaal der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Tourismusexperten aus dem ganzen Land reisten zu dieser Veranstaltung nach Berlin, der Sitzungssaal der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag war gut gefüllt. Wie wichtig den einladenden Politikern das Thema Tourismus ist, zeigte sich auch an der Hochkarätigkeit der Akteure auf dem Podium. Fraktionsvorsitzender Ralph Brinkhaus begrüßte die Gäste, anwesend waren die Chefs der wichtigsten Fachverbände – Deutsche Zentrale für Tourismus, Hotelverband Deutschland , Deutscher Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA, Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, Deutscher Reiseverband – sowie Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Reiseregionen.

Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion


Tourismus ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Staatssekretär Bareiß freute sich über das positive Echo seines Papiers in den Medien. Denn nach seiner Meinung wird der Tourismus in der Öffentlichkeit noch zu wenig wahrgenommen und thematisiert. Obwohl über 3 Millionen Menschen für die Branche arbeiten und für eine Bruttowertschöpfung  von über 105 Mrd. € sorgen.

Er fasste in seinem Impulsvortrag das strategische Anliegen der Nationalen Tourismusstrategie in drei Punkten zusammen:

  • die inländische Wertschöpfung erhöhen,
  • die Lebensqualtät der in Deutschland lebenden Menschen nachhaltig heben und
  • zu internationaler Stabilität beitragen.
Thomas Bareiß, Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus


Ziele für einen nationalen Aktionsplan

Daraus sind im Strategiepapier sechs Ziele abgeleitet:

  1. Vielfältige Potenziale des Tourismus weiter ausschöpfen
  2. Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandortes Deutschland und der mittelständisch geprägten Tourismuswirtschaft stärken.
  3. Mobilität und digitale Infrastruktur gestalten
  4. Mehr Qualität als Quantität mit den Schwerpunkten:
    • im Einklang mit Natur und Kultur,
    • zur Lebensqualität aller Menschen beitragen,
    • das Deutschlandbild im Ausland positiv prägen.
  5. Das Potenzial des Tourismus in internationalen Regionen stärken – Tourismus trägt zu Frieden, Toleranz und Völkerverständigung bei.
  6. Eine umwelt- und klimaverträgliche Entwicklung des Tourismus unterstützen.

Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit im Fokus

Die Themen und Maßnahmen für den nationalen Aktionsplan wurden in den beiden Panels und in der Diskussion immer konkreter.

Panel 1 mit Prof. Dr. Eric Horster (Fachhochschule Westküste, Heide), Astrid Damerow (Tourismus-Ausschuss des Bundestages), Otto Lindner (Hotelverband Deutschland), Petra Hedorfer (Deutsche Zentrale für Tourismus) sowie Staatssekretär Thomas Bareiß und Tagungsleiter Paul Lehrieder (CDU/CSU-Fraktion, Arbeitsgruppe Tourismus), v.l.

Das waren die wichtigsten Punkte:

Digitalisierung

  • Vernetzung von Daten für den Service am Kunden – dafür Infrastruktur mit 5G nötig,
  • Open Data – strukturierte Angaben, die über Künstliche Intelligenz „ausgelesen“ werden,
  • Digitale ID und Digital Payments für nahtloses und komfortables Reisen (fragen besonders Touristen aus Asien nach),
  • Belohnungssysteme entwickeln, ähnlich wie es andere Branchen schon länger tun,
  • noch längst sind nicht alle Akteure von Digitalisierung überzeugt,
  • Digitalisierung kann bei Bürokratie-Abbau helfen, z.B. Ersatz der Anmeldeformulare,
  • auch kleine Unternehmen können sich das leisten, die Chancen sind größer als die Risiken,
  • auch Online-Anbieter wie Airbnb müssen sich an Gesetze halten.

Fachkräfte

  • Arbeitszeitgesetzgebung flexibilisieren und den Bedürfnissen der Tourismusbranche anpassen (fordert vor allem DEHOGA),
  • Duale Ausbildung stärken – das ist etwas Besonderes in Deutschland,
  • Zuverdienst-Grenze für Mini-Jobber erhöhen – die jetzigen
    450 € sind zu wenig,
  • Möglichkeiten schaffen, um selber Wohnraum für Mitarbeiter zu bauen,
  • Berufliche Abschlüsse von Migranten anerkennen.
Auf dem Podium: Norbert Fiebig (Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft), Guido Zöllick (Bundesverband DEHOGA), Klaus Stöttner (Tourismusverband Oberbayern-München, v.l.


Bürokratieabbau

  • Jährlich werden 105 Mio. Meldescheine händisch ausgefüllt – bleibt Diskussionspunkt mit Bundesinnenministerium,
  • Gleichbehandlung bei Steuern – einheitlich 7% bei Speisen und keine Unterschiede für „Drinnen und Draußen Essen“,
  • Belastungen für mittelständische Betriebe sind gestiegen – das ist problematisch für Image der Branche,
  • Mehr Bürokratie, die u.a. durch EU-Gesetze dazu gekommen ist, muss wieder abgebaut werden.

Infrastruktur

  • Breitband-Zugang in ländlichen Räumen,
  • 5G-Ausbau wichtig,
  • Kultur ist Tourismus-Faktor – dafür braucht es digitale Vernetzung, um aufzufallen,
  • Neben-Wasserstraßen nicht vernachlässigen – Schleusen stehen oft ganz hinten bei Investitionen,
  • Verzahnung im Bundesprogramm „Blaues Band“ (naturnahe Wasserstraßen) noch nicht erreicht,
Panel 2 mit Prof. Dr. Conny Mayer-Bonde (Duale Hochschule Baden-Württemberg, Lars-Jörn Zimmer (Tourismusverband Sachsen-Anhalt), Dr. Klaus-Peter Schulze (Arbeitsgruppe Tourismus,CDU/CSU-Fraktion),Norbert Fiebig (Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft), Guido Zöllick (Bundesverband DEHOGA), Klaus Stöttner (Tourismusverband Oberbayern-München) sowie Staatssekretär Thomas Bareiß und Tagungsleiter Paul Lehrieder v.l.

Besondere Zustimmung bei den Teilnehmern und den politischen Akteuren fanden die nächsten Schritte für die Nationale Tourismusstrategie, denn die Verabschiedung der Eckpunkte im Kabinett war nur der Beginn.

Daraus soll nun ein AKTIONSPLAN entstehen. Dafür ruft Bareiß einen Staatsekretärs-Ausschuss mit Teilnehmern aus allen beteiligten Bundesministerien ins Leben. Genau so wichtig ist ihm die stärkere Einbeziehung der Bundesländer. Außerdem will er Formate und Maßnahmenkataloge entwickeln, die tatsächlich in der Branche wirken.

Die CTOURisten Manfred Weghenkel („Busplaner International“) und Prof. Dr. Dr. Jörg Soller (Hochschule für Wirtschaft & Recht Berlin) mit Patrick Kurth (Leiter Politik FlixBus Berlin) in der Veranstaltungsspause im Deutschen Bundestag, v. l.

Die gesamte Veranstaltung ist auch auf Youtube abrufbar.

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