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SOLARIS UND STOEWER IN SZCZECIN

Ein Herbst-Tripp in die polnische Oderstadt mit Wein, Geschichte und Persönlichkeiten

Na zdrowie! Mit einem weißen Solaris aus West-Pommern beim Weinfestival in Szczecin.
Wein von wo? Wer noch nie etwas über Wein aus dem Norden Polens gehört hat, ist nicht so allein. Nur Wein-Experten und die Stettiner selbst natürlich schätzen ihre regionalen köstlichen Tropfen.
Und der Rebensaft erobert sich langsam neben Wodka und Bier seinen besonderen Platz.
Das erste Wein-Festival in der Oder-Stadt startete als Experiment der Touristiker und wurde zu einem genussvollen Erlebnis für hunderte Besucher.

Weingut als Familien – „Experiment“

Marek Kojder ist Winzer aus West-Pommern. Knapp 30 Minuten von Szczecin entfernt liegen seine Weinberge. Auf 8 Hektar wachsen Trauben der Sorten Johanniter, Solaris, Souvignier gris, Muscaris. Alles sogenannte PIWIs – pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Sie werden im Ökoweinbau angepflanzt. Und auch das Weingut Kojder ist ein Biobetrieb und einziges polnisches Mitglied im Ökoweinverband Ecovin. Die Weine sind frisch und leicht und rein – Kopfschmerzpotenzial ist so gut wie ausgeschlossen.

Auf dem Wein-Festival im Innenhof des Stettiner Schlosses der Pommerschen Herzöge ist der Stand der „Winnice Kojder” dicht umlagert. Ein Probeschluck kostet heute 5 Zloty, der normale Preis für eine Flasche beginnt ab 70 zł und geht hinauf bis zu 169 zł.
(Aktueller Umtauschkurs: 4,59 zł für 1 €)

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Marek Kojder ist überrascht, wie gut das Wein-Festival besucht ist. Ständig holt er Nachschub und muss viele Fragen beantworten. Der 54-jährige ist eigentlich Logistiker und war Schiffseigner von sechs großen Lastkähnen.
Alle sind verkauft und wurden zum Startkapital für das „Familienunternehmen Biowein”.

Zur Familie gehören Marek, Ehefrau Mariola, die gute Seele für Alles, Sohn Artur, der Schiffsingenieur studiert hat, zur See gefahren ist und dann auf Landwirtschaft umsattelte, und Tochter Anna – sie hat Weinbau in Deutschland studiert und managt das Marketing. Logistiker, Betriebswirtschaftler, Techniker, Weinproduzent und Vermarkter – alles in einer Familie! Und dazu kommen von den vieren noch Leidenschaft und Herzblut.

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Der Boden auf den Kojderschen Weinbergen in Babinek hat eine hervorragende Mineralität. Die Mischung aus Lehm, Sand und Kreide tut den Reben gut. Das wussten vor hunderten Jahren auch schon Mönche, von denen überliefert ist, dass sie sich im Weinbau probierten.

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Premiere Wein-Festival

Auch Artur Pomianowski freut sich über den Erfolg des ersten Wein-Festivals in seiner Stadt.

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Als Direktor des Tourismus-Büros hatte er das Event mitinitiiert, letztes Jahr musste es wegen Corona ausfallen, und dieses Jahr gab es eher gemischte Gefühle.

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Eine Open-air-Veranstaltung im November, bei Außentemperaturen um die 10 Grad, und dann eine Premiere…..

Aber die Zweifel waren unbegründet, und nun denkt Pomianowski schon über eine Neuauflage nach:

Vielleicht organisieren wir das Festival sogar zweimal im Jahr, vielleicht sagen wir aber auch,
wir machen es jeden Monat (lacht)….mal sehen.

West-Pomerania als Tourismusregion

Die Tourismusorganisation West-Pomerania fungiert als Vereinigung verschiedener Verbände. Sie entstand in der Zeit der Beitrittsverhandlungen mit der EU und ist damit ähnlich strukturiert wie in den anderen Mitglieds-Ländern. Die „West-Pomerania” vermarktet ein Areal von etwa 23.000 km² mit über 200 Kilometer Küste zwischen Swinoujscje (Swinemünde) und Darłowo (Rügenwalde), mit Seen und Flüssen, mit Städten wie Szczecin und Koszalin, mit Wäldern und Naturparks.

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Herbstlicher Park in Szczecin

Vielfältig sind daher die touristischen Angebote, fünf Schwerpunkte hebt Artur Pominanowski besonders hervor:

  1. SEGELN und Kajak und alles, was mit Wasser zu tun hat.
  2. RAD-Tourismus – hunderte Kilometer neue Radwege wurden angelegt.
  3. WELLNESS und Spa – vor allem in der Region Kołobrzeg (Kolberg).
  4. GOLF – es gibt vier große und einen kleineren Golfplatz.
  5. WEIN – mit 16 Weingütern hat sich Westpommern zu einer der wichtigsten Weinregionen in Polen  entwickelt.

Mit Special-Guide in Szczecin

Und überall kann man eintauchen in Geschichte und Natur.
Für Szczecin empfiehlt sich dafür eine spezielle Führung. Katarzyna Jackowska ist so eine special guide mit fröhlichen Geschichten, die man in keinem Stadtführer liest.

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In Szczecin fahren kaum große Touristenbusse, alles wird sehr individuell organisiert.

Zu Fuß wird man mit roten Streifen auf dem Asphalt durch die Stadt geleitet,

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an wichtigen Punkten gibt es Informationstafeln.

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Alte Pflastersteine in der Altstadt

So findet man die Haken-Terrassen, benannt nach dem bis 1907 amtierenden Oberbürgermeister Hermann Haken, der die Terrassen auf dem alten Festungsgelände bauen ließ. Hier gehen Familien spazieren und man hat einen wunderbaren Blick auf die Oder.

Katarzyna erzählt: hier feiern Abiturienten – sie auch – ihre Abschlusszeugnisse.

40 Prozent der Stadt sind Grünanlagen, große Parks finden sich mitten in der Stadt, ein Wald grenzt an, und viele Seen liegen nah bei der Stadt.
Katarzyna erzählt: es gibt auch botanische Führungen in Szczecin, die das Geheimnis der vielen Platanen in der Stadt lüften.

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Weiter auf der Stadtroute entdeckt man die Philharmonie, die als einziges Gebäude in Polen den Mies Van der Rohe Award für die beste europäische zeitgenössische Architektur gewonnen hat.

Katarzyna erzählt: Die Stettiner nennen das Gebäude “Eis-Palast” und die Bodenfliesen im Innern heißen Aga und Vera, die Namen zweier Praktikantinnen, die während der Bauzeit dabei waren.

Im Dialogzentrum “Umbrüche” wird die jüngste polnische Geschichte thematisiert.
Katarzyna erzählt: Im Museumsbistro gibt es die besten Fischbrötchen der Stadt.

Auf das, was sich in der Nähe des Wassers verändert hat, ist Katarzyna besonders stolz: die Oder-Promenade mit den silbernen Fischen und historischen Kupferplatten in der Erde, Anlegestationen für Kajak-Touren mitten durch die Stadt, der Stadt-Strand, an dem sich vor allem junge Leute treffen, das Maritime Wissenschaftszentrum in Form eines Schiffes, die Kran-Saurier – drei alte Stahlkolosse, die abends leuchten.


Geführte Stadt-Rundgänge gibt es zu fast allen Themen: Musik, Kulinarik, Architektur, Wasser, Wein, Bier, Geschichte, Graffiti, Industrie.

Zur Industrie-Tour gehört auch der Besuch des Stoewer-Museums – des Museums für Technik und Kommunikation.

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Die Sammlung umfasst Autos, Nähmaschinen, Schreibmaschinen und Fahrräder aus der Zeit von 1858 bis 1945, als die Familie Stoewer in Stettin mehrere Werke hatte. Es ist die weltweit größte Stoewer-Sammlung, die vor allem mit Hilfe des Deutschen Manfried Bauer entstand, der in Stettin geboren wurde. Zu den Schmuckstücken zählen verschiedene Stoewer-Automobile, das älteste stammt aus dem Jahre 1913. Über 60 Autotypen entwickelten Ingenieure in den Stoewer-Werken. Sie wurden vor allem durch technische Innovationen bekannt wie Elektromobile, Rennwagen und robuste PKWs.


Etwas versteckt, aber sehr ansehenswert im Außenbereich ist auch die Fotoausstellung über Stettin mit Schnappschüssen aus dem Alltagsleben der letzten 75 Jahre.

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Und ganz zum Schluss zeigt Katarzyna ihren Gästen den „Markt der Köstlichkeiten“ – regionale Produkte in einer alten Lagerhalle, immer sonntags – ein Geheimtipp.

Hier gibt es auch das typische Stettiner Paprikagericht „Paprykarz“.


www.zrot.pl (Tourismusorganisation West-Pomerania, nur in polnisch)
https://visitszczecin.eu/de
https://www.polen.travel/de/regionen/zachodniopomorskie-westpommern

Fotos: Sylvia Acksteiner, Winnice Kojder (1)

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